In der "gottesdienstlosen Zeit" erstellte Andachten und Videos - örtlich und regional -  werden hier aufgeführt.

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Fastenaktion: Sieben Wochen ohne ...

Wie in den vergangenen Jahren laden wir auch im Jahre 2021 zu der traditionellen Fastenaktion „Sieben Wochen ohne ... Blockaden“ ein.

Der dazu erschienene Kalender liegt zu den täglichen Öffnungszeiten (10-16 Uhr) in den beiden Kirchen in Lohne und Bad Sassendorf aus.

Der Kalender lädt ein zum Innehalten, Reflektieren und Nachdenken über das Leben ohne Blockaden.

Texte und Andachten in der Zeit ohne Gottesdienste

Predigt zum Sonntag Reminiscere, 28.02.2021

aus dem Schiefen Turm zum Herunterladen

Predigt zum Sonntag Invokavit, 21.02.2021 - auch zum Herunterladen

und eine Predigt aus dem Schiefen Turm zum Herunterladen

Predigt zum Sonntag Estomihi, 14.02.202 - auch zum Herunterladen

und eine Predigt aus dem Schiefen Turm zum Herunterladen

Predigt zum Sonntag Sexagesimae, 7.02.202 - auch zum Herunterladen

Video-Gottesdienst unter dem Motto: „Lass wachsen!“ zum Sonntag Sexuagesimae

 

Auslegung der Jahreslosung 2021 - auch zum Herunterladen

 

Hier sehen Sie das Neue Presbyterium

Hören Sie 12 Orgelstücke und sehen Sie ein

Video "8 Achtsame Minuten" mit Orgelmusik aus Sst. Simon und Judas-Thaddäus.

Predigt zum Sonntag Invocavit, 21.02.2021

Matthäus 4,4: Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ (5. Mose 8,3)

 

Liebe Gemeinde,

wer lange hungert, ist geprüft! Er oder sie wird fähig zu Dingen, die man niemals von sich gedacht hätte! „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist“, fasst die Werbung das in einem augenzwinkernden Spot zusammen. Stimmt. Zumindest eine gewisse Verstimmung und Reizbarkeit werden alle, die hungrig waren, schon einmal wahrgenommen haben. Nun ist es mit dem echten Fasten anders, da der Hunger nach 1-2 Tagen vergeht und Körper und Geist insgesamt lange leistungsfähig bleiben, wenn man nur genug Flüssigkeit zu sich nimmt. Aber nach 40 Tagen, da kann niemand mehr für den Zustand eines Menschen die Hand ins Feuer legen … Jedenfalls wird es keine ‚Fastenkur‘ gewesen sein, die Jesus da in der Wüste erprobte, denn dann hätte er das 40-Tage-Experiment wohl nicht überlebt. Ich interpretiere die Geschichte eher als einen selbst motivierten spirituellen Rückzug und eine Probe auf seine Leidensfähigkeit. Also wird er hin und wieder etwas gegessen haben, alles, was die Wüste bieten kann, mitgebrachte Trockenfrüchte, vielleicht Beeren und Heuschrecken? Dann bleibt aber eben auch der Hunger, der zermürbt. In Matthäus 4 wird von einer Auseinandersetzung Jesu mit dem Teufel erzählt: „Bist Du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden!“ Einer, dessen Vater der Allmächtige selbst ist, könnte versucht sein, diese Probe zu vollführen, diesen Zauberspruch zu sprechen, denn sein Hunger ist groß.

            Aber Jesus besinnt sich und antwortet mit einem Bibelvers: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ (5. Mose 8,3) Ich denke, mit dem Begriff „täglichen Brot“ ist alles gemeint, was uns zu Ausstattung unserer Lebensvollzüge dienlich ist. Der kleine Katechismus Martin Luthers zählt es auf: „Alles, was nottut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut … gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit,…gute Freunde, getreue Nachbarn und dergleichen.“ Es gibt viele Stichworte darin, die heute so nottun wie zu Katharina und Martin Luthers Zeiten. Wenn Nudeln aus den Supermarktregalen in Windeseile verschwinden und auch der westfälische Pumpernickel, weil er so gut haltbar ist und nicht wegen des Geschmacks in den Keller gepackt wird, dann ist Gefahr im Verzug, dann sind viele Sicherheiten und die Zugänglichkeit zu den oben genannten Dingen brüchig oder fraglich geworden. Das höchste Gut aber ist die Gesundheit in der Liste, das wissen wir: „Gesundheit ist nicht alles“, heißt es, „aber ohne Gesundheit ist alles nichts!“ Und in der Pandemie lernen wir, wie die einfachen, grundlegenden Dinge und Wahrheiten des menschlichen Lebens unschätzbar wertvoll sind.

            Aber auch die ‚Gesundheit‘ darf uns nicht alles kosten! Wenn der eine Impfstoff zwanzigmal so teuer ist wie der andere und 446 Millionen Menschen in unserem Zuständigkeitsbereich damit geimpft werden sollen, dann muss die EU-Kommission einen Augenblick weiter verhandeln dürfen, wenn es schwierig ist, denn auch die Pharmakonzerne dürfen sich nicht mit jedem überhöhten Angebot durchsetzen! Sparsamkeit ist noch immer eine Tugend, warum also nicht auch jetzt? Was ich jedenfalls von meinen gewählten VertreterInnen verlange, ist Augenmaß zu behalten in der Planung und beim Unterschreiben von Angeboten und Verträgen! Auch verlockende Angebote können eine Versuchung sein! Wer wüsste es nicht, denn in unserer Wirtschaftsordnung lebt viel von der Verlockung/Versuchung. Immer wird der/die Einzelne entscheiden müssen: Was ist Verlockung zur Lebensfreude und was ist Versuchung zur ‚Schädigung des Lebens‘? Auch die ‚Freude am Fahren‘ ist längst mehr das, was sie mal war, also so naiv anzusehen wie noch in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts! Dies war eine Zeit, in der viele von uns aber ihre Prägung erhielten! Aber wir dürfen dazu lernen, lebenslang!

            Wenn wir Protestanten die Worte hören: „ein jedes Wort, das aus Gottes Mund geht“, dann denken wir zuerst an die Heilige Schrift beider Testamente, sodann an die Zehn Gebote, das Vaterunser und das Apostolische Glaubensbekenntnis. Nach kurzem Nachdenken fallen uns dann aber auch die anderen Worte, die Auslegungen, zum Wort Gottes ein: Heidelberger Katechismus, Kleiner und Großer Katechismus Martin Luthers, die anderen Bekenntnisschriften und last but not least, die Barmer Theologische Erklärung von 1934, die ja in ihrer 1. These zusammenfasst, worauf wir uns beziehen sollen: „Jesus Christus, (…) ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ Und damit es konkreter wird, wohinein diese Grundthese spricht, gibt es in dieser Erklärung gleich anschließend noch die Ablehnung falscher, zeitbedingter Annahmen: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“ Wir wissen heute gut, was damit gemeint war. Mit Ereignissen und Mächten, waren die Machtergreifung und die Nationalsozialistische Partei und Bewegung gemeint, mit Gestalten waren die autoritären Führer und ParteigängerInnen gemeint, mit Wahrheiten waren Pseudo-Wahrheiten und Pseudo-Wissenschaftlichkeit, wie die antisemitische Rassenlehre und nationalsozialistische Weltanschauungslehre gemeint. Dies alles wurde von der Synode in Barmen damals abgelehnt, als nach und nach auf alle Teile der Gesellschaft, auch Lehre und Forschung, Kirchen und Kultur, Verwaltung und Vereinswesen mehr Druck und Zwang ausgeübt wurde, sich gleichschalten zu lassen. Sich davon ganz freizuhalten, ist nur wenigen gelungen, auch nicht allen Gemeinden und Mitgliedern der Bekennenden Kirche, aber sie haben es wenigstens versucht, indem sie für sich festhielten: Christlicher Glaube bezieht sich nur auf das Wort Gottes in der Zusammenschau beider Teile der Bibel, für uns zugänglich gemacht und aufgeschlossen durch Jesus Christus! Und so zeigt sich wieder einmal: Christlicher Glaube ist im Grunde herrschaftskritisch, er kennt sein Korrektiv, es ist „ein jedes Wort Gottes, das aus seinem Munde kommt.“ Richtschnur und Prüfung vorausgesetzt im Gewissen des/der Einzelnen und der Gemeinde.

            Und so genügt es, sich die erste Versuchung Jesu in der Wüste anzuschauen, denn in ihr stecken auch alle anderen: Die Versuchung zum ‚Brot‘ ist die Versuchung zur Mehrung des Brotes (s.a. der reiche Kornbauer, Lk 12), die Versuchung zum Sprung vom Turm ist die Versuchung zur Verantwortungslosigkeit, eine Versuchung Gottes selbst nach dem Motto: Egal, wie ich ich mich verhalte, Gott wird mich schon retten! Auch die Versuchung zur Macht steckt schon in der ersten: Denn der Teufel verspricht Jesus alle Reiche dieser Erde, wenn er nur niederfalle vor ihm. Jesus lehnt auch das ab. Wer aber ist dieser Teufel? Wenn wir in den ersten Vers schauen, Mt. 4,1, dann ist er es, der Jesus in die Wüste führt, um zu fasten. Könnte es nicht sein, dass dieser Teufel in jedem Menschen steckt, der, wie Jesus versucht, die Herausforderungen seines Lebens selbstbestimmt anzugehen? Am Anfang der Predigt meinte ich ja, Jesus sei diesen Weg aus ‚freien’ Stücken angetreten als gut gedachte Vorbereitung für seinen Weg. Die Frage ist spannend! Was denken Sie?

            Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall allen eine erfahrungsreiche Passions- und Fastenzeit (z.B. mit 7-Wochen-ohne)  und ohne allzu große Versuchungen! Und bleiben Sie gesund, getrost und behütet! Amen.

                                               Pfarrerin Stefanie Pensing zum Sonntag Invocavit, 21.02.2021

Predigt zum Sonntag "Estomihi", 14.02.2021

Liebe Gemeinde,

unser heutiger Predigttext stammt aus dem alttestamentlichen Buch des Propheten

Jesaja 58, 1 – 9:

1.       Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkünde meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!

2.       Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.

3.       „Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?“ Siehe an dem Tag, an dem Ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.

4.       Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimmen in der Höhe gehört werden soll.

5.       Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?

6.       Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

7.       Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide Ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

8.       Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.

9.       Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

 

Liebe Gemeinde,

Dein Licht wird hervorbrechen wie die Morgenröte. Gott erscheint in seiner Herrlichkeit und folgt euch! Und wenn ihr Gott um Hilfe ruft, dann sagt er: Siehe, Ich bin hier!

Welch ein wunderschönes Bild zeichnet uns der Prophet hier. Es ist ein Bild der Hoffnung in einer dunklen, schweren Zeit. Gemalt für Menschen, denen es nicht gut geht. Gemalt für Menschen, die sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden.

Wem galt dieses Hoffnungszeichen ursprünglich? Der Prophet Jesaja richtet seine Worte etwa 500 Jahre vor Christi Geburt (ca. um 2500 v. Chr.) an das Volk Israel. Nach 70 Jahren im Exil in Babylonien war es um 538 v .Chr. nach und nach in ihr eigenes Land zurückgekehrt. Doch nichts war so, wie sie es sich vorgestellt hatten. Die Lage war mehr als trostlos. Jerusalem lag in weiten Teilen in Schutt und Asche. Der Tempel, das Haus Gottes, war vom babylonischen König Nebukadnezzar und seinem Heer zerstört worden. Die heimgekehrten Israeliten sehnten sich nach einem schnellen Neuanfang. Sie wollten zurück zur Normalität. Dass hieß: Häuser wieder aufzubauen, die Stadtmauer zu befestigen, sich v.a. tiefgreifende Gedanken über den Wiederaufbau des Tempels zu machen. Und man musste Handel und Wandel betreiben. Jeder und jede versuchte über die Runden zu kommen, wobei viele unterdrückt und an den Rand gedrängt wurden. Nichts gelang wirklich und schon gar nicht schnell. Resignation und Ohnmacht breitete sich aus. Viele Menschen damals verloren ihre Hoffnung auf eine positive Zukunft. Angst machte sich breit. Die Frage nach Gott lag ihnen auf dem Herzen: Wo ist Gott gerade jetzt in dieser schweren Zeit? Warum scheint er uns so fern zu sein?

Deshalb versuchten die Israeliten sich durch fromme Übungen der Nähe Gottes zu vergewissern: „Wenn wir fasten und in Sack und Asche gehen, dann wird Gott uns gnädig sein, zu uns kommen und uns helfen“! Trotz allem blieb Gott ihnen scheinbar fern. Betrübt und laut richten sie ihre Klagen an Gott: „Warum fasten wir und du siehst es nicht an. Warum kasteien wir unseren Leib und du willst es nicht wissen?“ (Jes. 58, 3a)

Der Prophet Jesaja richtet ihnen im Auftrag Gottes Folgendes ganz deutlich und klar aus: Gottes Verheißung, seine Nähe gilt denen, die für das Recht anderer eintreten. D.h. zum Beispiel: das Brot mit den Hungrigen zu teilen; Wohnungslosen und Flüchtlingen Obdach zu gewähren; denen, die nichts haben, mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen …. Dann erscheint Gott in seiner Herrlichkeit, kommt zu euch und sagt euch: Siehe, ich bin hier!

 

Liebe Gemeinde,

Jesajas Botschaft wird uns heute gesagt und sie ist so klar, wie vor 2500 Jahren und die Not unserer Nächsten ist vielerorts heute genauso greifbar, wie damals. Und doch haben wir uns als Christen und Christinnen immer wieder bemüht und tun es heute und zukünftig, Jesajas Vorschläge in die Tat umzusetzen. Schon lange haben wir in unserer Gesellschaft vieles davon befolgt, Bedürftige versorgt, unser Brot mit den Hungrigen geteilt, viele, die auf der Flucht waren, haben wir in unserem Land aufgenommen. Zugegeben: Oft waren und sind es nur kleine Schritte gegen die große Not in der Welt, die wir getan haben und tun. Aber Jesajas Forderungen haben wir nicht außer Acht gelassen und werden sie auch zukünftig im Blick haben.

Aber, liebe Gemeinde, ich denke unser heutiger Predigttext führt uns gerade jetzt – in dieser Zeit der weltweiten Corona-Pandemie- auf eine andere Spur: Fühlen wir uns denn  nicht irgendwie ähnlich, wie die Israeliten damals? Seit ca.12 Monaten ist bei uns alles anders. Ich jedenfalls habe eine derartige Situation in meinem Leben noch nie erlebt. Ich habe es noch nie erlebt, dass es zu Ostern und zu Weihnachten keine öffentlichen Gottesdienste in der Kirche geben konnte. Ich habe es noch nie erlebt, dass strengstens empfohlen wurde, dass man keinen anderen Menschen mehr umarmen soll …. Vieles mussten wir in den letzten 12 Monaten entbehren und manchmal auch erleiden. Beispiele dafür gibt es jede Minute im Fernsehen, im Radio und v.a. im eigenen Erleben. Sicherlich klagen wir in unserem Land auf hohem Niveau. Aber so langsam macht sich bei mir ein Gefühl der Ratlosigkeit und Ohnmacht breit. Vielen von Ihnen spreche ich bestimmt aus dem Herzen. Das vielversprochene „Licht am Ende des Tunnels“, die Impfstoffe, lassen auf sich warten. Und jeden Tag sterben Menschen mit oder an Corona. Viele von uns rufen den Staat immer wieder um Hilfe. Nicht nur, dass es zur Zeit viel zu wenig Impfstoff gibt, auch die zugesagten Corona-Hilfen kommen nicht zeitnah bei denen an, die sie nötig brauchen. Vieles hat sich in unserem Leben durch Corona verändert.  Existenzen sind bedroht und viele Menschen unter uns stehen wegen Corona vor den Trümmern ihres Lebens. Mit den Sorgen um die Existenz mischt sich vielfach die Angst um unsere Kinder und Enkel, die unter den Corona-Bestimmungen am meisten leiden. Hinzu kommt, dass die Angst sich mit dem Corona-Virus und seinen Mutationen anzustecken, so dass es Leben und Tod gehen könnte, stetig zunimmt. Da kann es uns doch so gehen wie den Israeliten damals vor 2500 Jahren: Fühlen wir uns von Gott allein gelassen in dieser schweren Zeit? Ist das wirklich so, oder ist das nur unsere gefühlte Wahrnehmung?

 

Liebe Gemeinde,

lassen Sie uns gerade deshalb täglich zu Gott beten und ihm sagen, wie es um unser Herz und unsere Seele bestellt ist. Fragen wir ihn, was seine Wege für uns sind und bitten wir ihn darum, dass er uns helfen möge und dass er die ganze Welt von Corona befreit. Lassen Sie uns fest darauf vertrauen, dass das, was der Prophet Jesaja uns verheißt, sehr bald Wahrheit wird:

„Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte … und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, ich bin hier.“ (Jesaja 58, 8.9)

 

Amen

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.

 

 

Bleiben sie gesund und getrost!

Liebe Grüße

 

Ihre Jutta Kröger, Pfarrerin 

PREDIGT ZUM SONNTAG Sexagesimae, 07.02.2021

Predigt zum Sonntag Sexagesimae


Predigttext: Lukas 8, 4-8

 

Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen es auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten es. Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! (Lukas 8, 4-8)

 

Liebe Gemeinde,

 

Gottes Güte und Weisheit sind wunderbar, wie ist es sonst zu erklären, dass normaler Same und normales Land hundertfach Frucht bringen können? Am Sämann und seinem Schwung kann es nicht liegen, denn der ist gewohnheitsmäßig gut und raumgreifend. Jahrtausendelang hat der Sämann, sofern er Rechtshänder war, den Samenbeutel links getragen und in weitem Schwung nach rechts ausgeholt, um sein ganzes Feld gleichmäßig mit Getreidesamen zu bestreuen. Und er tat es mit Übung und Routine, so wie der Maler Vincent van Gogh den Sämann ins Bild fasste.

          Sicher, da war auch schon einmal ein Findling mitten im Weg, an dem der Same abgleitet und keinen Halt findet. Da fällt auch manches auf die Feldränder, an denen auch die Dornen und das Unkraut wachsen, da ist vom Wind auch der eine oder andere Distelsamen aufs Feld geweht und wird mit dem Samenkorn aufgehen. Aber den Sämann kann dies nicht abhalten von seiner zukunftsstiftenden Arbeit, dem Säen der Saat!

Und übrigens war die Fruchtbarkeit des Getreides ganz anders als heute: Ein Drittel der vorherigen Ernte musste aufgewandt werden, um die nächste zu erzeugen. Das ist ein Verhältnis von 1:3! Wie muss den Menschen im Altertum, den Zuhörern von Jesus, da erst das Verhältnis von 1:100 geklungen haben? Ach das wäre ja herrlich, da wären ja alle Verluste und Sorgen vergessen, auch die Dreiviertel-Verluste des Saatguts auf Fels und unter Dornen vergessen! Das könnte man verschmerzen, wenn es nur so wäre, denn die Frucht wäre so mannigfach und reich!

          Jesus erzählt dieses Gleichnis und vermittelt auch uns damit: So ist Gott! Schaut nur, wie großzügig, ja fast verschwenderisch er ist! Wenn Gott sät, dann mit vollen Händen! Wir wissen, wie es in den folgenden Versen weitergeht. Jesus selbst klärt auf: Der Sämann ist Gott, das Land sind seine Menschen, das sind wir. Und wir – wir sind wie diese Felder von unterschiedlicher Qualität, da ein Findling und dort eine Felsplatte, frei geschubbert von der letzten Eiszeit, hier ein paar Schrullen bzw. Dornen, dort ein paar erworbene Disteln, erworben im Kontakt mit anderen Disteln, Menschen oder Ereignissen. Ein sehr gemischter Acker sind wir, nicht viele Bodenpunkte kämen da im landwirtschaftlichen Sinne zusammen. Da könnte der Sämann eigentlich gleich weiterziehen und nach besserem Land suchen! Aber das tut er nicht, er nimmt es mit uns als sehr gemischtem Lande auf! Er verschwendet sein gutes Saatgut, sein reiches Wort, auch an uns. Und siehe, auch in unseren Herzen findet er gutes Land, wir wissen nicht, wie und wo, aber Gott findet es. Der Sämann, der sein Samenkorn so verschwenderisch austeilt, findet auch in uns gutes Land, und so kann es Frucht bringen. Viel Frucht bringen.

         

Mag es so aussehen, als wäre die Wirklichkeit in unseren Gemeinden eine andere: Schrumpfung und Rückzug aus der Fläche sind die Stichworte, von denen wir uns bedroht fühlen, die uns mindestens beschäftigen. Aber diese alte Geschichte spricht dagegen:

Denn der Sämann hat immer noch seinen weiten Schwung, und ja – selbst wenn manches daneben geht – manches auf den öffentlichen Weg fällt und manches einfach von den Vögeln unter seinem Himmel aufgepickt wird, mannigfach geht es auf, hundertfach Frucht bringend. Wir wissen nicht, wann und wo, Gottes Kirche und Gemeinde jedenfalls sind heute schon weltweit ‚verstreut‘ und dadurch groß. Und nur Gott kennt die Seinen, heißt es, aber es sind viele, wer wollte bestimmen, wer nicht dazu gehörte? Überlassen wir es Dem, der die Ernte einbringt! Der Same jedenfalls geht von selbst auf, und bringt auch von selbst die Frucht, so heißt es in einem anderen Gleichnis Jesu bei Markus im 4. Kapitel!

          Aber wenn wir dies heute hören, müssen wir wissen, auch wir sind Sämänner und -frauen. Wir sind Väter und Mütter, Lehrer und Lehrerinnen unserer Kinder, Neffen, Nichten und Enkel. In diesen Tagen des Januars und Februars 2021 viele von uns in ganz wörtlichem Sinne sogar! (Homeschooling/Heimunterricht) Und wir haben damit die Aufgabe, in den uns anvertrauten Menschen die Hoffnung wach zu halten, dass es auch dieses Jahr wieder Saat und Ernte gibt, dass auch dieser lastende und bleierne Winter der Pandemie vorüber geht! Und so ist es ja auch:  Zwar braucht das Samenkorn eine ganze Weile, um in die Erde zu fallen und ‚zu vergehen‘. Und auch der Sämann weiß dann zeitweise nicht, ob die Saat aufgeht, ob sie strengen Frost wohl übersteht. Er weiß es nicht und muss doch Vertrauen haben. Eines Tages aber zeigt sich endlich der grüne Halm. Und auch dann heißt es noch: „Lass wachsen!“ Bloß nicht daran ziehen wie der ungeduldige Landmann, nicht jetzt noch einmal umgraben und alles zerstören, oder zu früh oder zu viel düngen … Einfach wachsen lassen, abwarten, hoffen und beten! Vielleicht ist dies die schwerste Aufgabe von allen! Gute und geduldige Eltern und Lehrer kennen diese Aufgabe und diese Herausforderung: Nichts tun zu können als zu warten, denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre und dann ist die Ernte da … Wenn es uns zu viel wird mit dem Zuwarten und auf Erfolg warten, dann sollen wir uns an die Großzügigkeit des Sämanns erinnern und Seine Weisheit erkennen.

 

Und genau das betont Jesus mit seinem Ausruf in Vers 8: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Ja Du, auch Du, bist gerufen, hundertfach Frucht zu bringen!

 

Lassen Sie mich mit einem Gesangbuchvers als Gebet schließen. Es stammt aus dem Lied: „Tut mir auf die schöne Pforte“, EG 166, 4:

 

„Mache mich zum guten Lande, / wenn dein Samkorn auf mich fällt. / Gib mir Licht in dem Verstande / und, was mir wird vorgestellt, / präge du im Herzen ein, / lass es mir zur Frucht gedeihn.“ Amen.

 

 

Predigt-Gedanken von Pfarrerin Stefanie Pensing zum Sonntag Sexagesimae, 07.02.2021

Auslegung der Jahreslosung 2021

Jahreslosung 2021: Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist. Lukas 6,36

Liebe Gemeinde,

die Jahreslosung ist dieses Jahr wunderbar kurz und gut zu merken: „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.“ Ich möchte lieber übersetzen: „Werdet barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.“ Die Zeitform ‚Futur’ ist nämlich noch besser geeignet für das griechische Verb. Und es stimmt ja auch, denn, wenn wir schon barmherzig wären, bräuchte es Jesus uns in seiner Feldrede (dem Äquivalent zur Bergpredigt beim Evangelisten Matthäus) nicht so dringend empfehlen. Manche Menschen sind es vielleicht von sich aus, barmherzig, weil sie warmherzig veranlagt sind, andere, die strenger mit sich und der Welt unterwegs sind, müssen das noch ein bisschen üben… Gott allerdings ist es schon, barmherzig, er ist es, auf den man in seiner Barmherzigkeit trauen darf! GOTT ist barmherzig, warmherzig wie eine gute Mutter. Im Hebräischen ist die Sprachwurzel von „sich erbarmen“ sogar verwandt mit dem Wort für „Mutterschoß, Gebärmutter“. Racham bedeutet dort „sich erbarmen“, rächäm bedeutet Gebärmutter. „Neben dem Herz ist rächäm das am häufigsten erwähnte innere Organ im Ersten Testament“, heißt es in dem Buch: „Die Körpersymbolik der Bibel“ (1). Gott liebt jeden und jede vorbehaltlos wie eine Mutter ihr Kind, das ist die tiefe Bedeutung dieses sprachlichen Zusammenhangs, davon bin ich überzeugt! Im Germanischen, so las ich an anderer Stelle, musste ein Wort erst noch erfunden werden, als die ersten mittelhochdeutschen Bibelübersetzungen erstellt wurden. Das Lateinische wurde zur Brücke: Misericordia heißt das Wort da. Und das Herz und das Leidvolle, Erbärmlich-Erbarmende gingen eine wunderbare neue Bedeutung miteinander ein. Geboren war die Barmherzigkeit! Was bedeutet nun Barmherzigkeit? Barmherzigkeit lässt alles ausser acht, was gegen einen Menschen sprechen könnte: Sein Ansehen, sein Aussehen, seine Fehler, seine Armut, seine Krankheiten, sein regelbrechendes Verhalten…Barmherzigkeit geht über alles, was gegen einen Menschen sprechen könnte, hinweg und zollt ihm Respekt und Wertschätzung. Barmherzigkeit hilft dem Warmherzigen, einfach „fünfe gerade“ sein zu lassen und barmherzig zu sein. Barmherzigkeit nimmt die Schwierigen, die Bemitleidenswerten oder Aussenseiter einfach an in ihrem So-und-so-Sein.

          Nicht gerade das, was wir normalerweise mit unserer Erziehung zu Stärke, Selbstbestimmtsein und Leistung bei Kindern und Erwachsenen erreichen wollen… Für das Leben da draußen muss man stark sein, da muss man auch ein Stück weit hart werden gegen sich und andere…so lautet eine häufige innere Überzeugung vieler Menschen in unseren Welt-Gesellschaften. Wo kämen wir denn dahin, wenn wir immer gleich alles entschuldigen würden und „fünfe gerade sein ließen“, also barmherzig wären? Da draußen gibt es Regeln und Gesetze, da draußen gilt nur: Wachse oder weiche…

Liebe Gemeinde, könnte es sein, dass das Jahr 2021 eine gute Gelegenheit ist, die Barmherzigkeit neu zu lernen? Was wäre nicht schon in 2020 passiert, wenn manche Regeln der Wirtschaftspolitik nicht einfach außer Kraft gesetzt worden wären? „Ohne Arbeit kein Geld“? „Leistung muss sich lohnen“? Viele Überzeugungen von Menschen, die das Leistungsprinzip sehr hochhalten, sind erschüttert worden. LeistungsträgerInnen waren plötzlich Andere…Der Versuch, in der Wirtschafts- und Sozialpolitik Hilfen bereit zu stellen ohne Ansehen von Leistung und Person, mag zwar vielleicht nicht ganz geglückt sein und nicht für alle Berufsgruppen passend gewesen sein, aber immerhin wurde er unternommen! Und so hat auch die Sozialpolitik etwas zu tun mit dem Einfluss des Christentums in unserem Land, da bin ich sicher. Heinrich Böll schrieb 1957 in dem Buch „Was halten Sie vom Christentum?“:  „Ich überlasse es jedem Einzelnen, sich den Albtraum einer heidnischen Welt vorzustellen oder eine Welt, in der Gottlosigkeit konsequent praktiziert würde: Den Menschen in die Hände des Menschen fallen zu lassen. Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen. Ich glaube, dass Millionen Christen auf dieser Erde das Antlitz dieser Erde verändern könnten, und ich empfehle es der Nachdenklichkeit und der Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte.

          1957 - 2021…offenbar gibt es immer noch Gründe, sich nach Jesu Vaterunser-Wort zu sehnen: „Dein Reich komme“. Wir sind noch nicht da, wir sind vielleicht noch lange mit ihm auf dem Wege, deshalb müssen wir das Werden auch noch üben. Das Innewerden z.B. biblischer Grundvokabeln wie Barmherzigkeit und barmherzig sein! Es gibt kein besseres Jahr als 2021, im 2. Jahr der Pandemie, die Barmherzigkeit neu lernen zu wollen. Wir werden sie noch brauchen für uns und andere! Wir wollen genauso wie Gott, der eine liebende Mutter ist, Liebhaber des Lebens werden, das sollte unser christliches Hauptinteresse sein. Unser Hauptaugenmerk: Was dient dem Leben, dem Leben in Natur und menschlichem Miteinander?

          Dass wir dabei auf Gott vertrauen und bei uns selbst anfangen dürfen, ist der Gnade und der unbeschreiblichen Güte Gottes zu verdanken! Wir werden auch mitten in der Krise ruh’n, wie in „Abrahams Schoß“, wenn wir auf Gott vertrauen. Amen.

Pfarrerin Stefanie Pensing, 10.01.2021

  

(1)    Schröer, Silvia u. Staubli, Thomas: Die Körpersymbolik der Bibel, Darmstadt 1998, S. 79

Einführung des Presbyteriums und des Küsters am 30.08.2020

Foto: Manfred Potthast

Der Gottesdienst stand unter dem Bibelwort:

„Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ 1. Kor. 3,11

Der Gottesdienst wurde mit Einführung des neuen Küsters, des Presbyteriums und Abschied von einem verdienten Presbyteriumsmitglied (Ingo Sommerfeld, auf dem Foto mit großem Blumenstrauß) gefeiert.

Der Text der Predigt ist weiter unten nachzulesen.

Nach dem Gottesdienst stellten sich das Presbyterium und die Pfarrerinnen zu einem Gruppenbid vor der Kirche auf.

Foto: Manfred Potthast

 

 

Hier wird der neue Küster Hermann Ahrens vorgestellt.

Er wird von 2 Mitgliedern des Presbyteriums eingerahmt.

 

Für Menschen mit Hörhilfen wird eine kurze Übersicht des Gottesdienstes mit Untertiteln bereitgestellt.

Btte hier klicken.

Predigt zum Einführungsgottesdienst am 30.08.2020

Text:1.Kor.3,9-17

Unserem Bauboom in der Börde tragen wir seit langer Zeit Rechnung indem wir z.B. als Gemeinde, Erbpachtgrundstücke verkaufen. Dabei haben wir stets im Hinterkopf, dass wir keine Luxus-Eigentumswohnungen oder Häuser auf kirchlichem Grund und Boden möchten. Nein, wir sind eher genossenschaftlich orientiert und möchten es gerne erschwinglich haben für diejenigen, die eben nicht über ein so hohes Eigenkapital verfügen.

Aber heute soll es nicht um Mörtel und Steine gehen, mit denen sich auch unser engagierter Förderverein der beiden Pfarrkirchen auskennt.

Vielmehr führt Paulus uns in eine neue, für die damalige Zeit revolutionäre Bautechnik ein.

Der Tempel in Jerusalem von König Salomo erbaut war bisher das Symbol des alttestamentlichen Opferkultes. Dieser Tempel hat mit dem Opfertod Jesu ausgedient und wird im Jahr 70 n.Chr. von den Römern zerstört und auch nicht wiederaufgebaut.

Seit der Zeit als Jesus über diese Erde ging gilt bis zum heutigen Tag für denjenigen, der sich zu Christus bekennt: du bist der Tempel des Hl. Geistes. Dasselbe gilt auch für die Gemeinschaft der Christen, nämlich die Gemeinde Jesu auf der gesamten Welt.

Konkret heißt das: die Ev. Kirchengemeinde Bad Sassendorf ist ein Tempel des Hl. Geistes.

Wie könnten das z.B.  Feriengäste oder Patienten aus den Reha-Kliniken spüren, wenn sie in unsere Gottesdienste kommen? Gibt es spezielle Kennzeichen dafür ein Tempel des Hl. Geistes zu sein?

Die Antwort finden wir im Predigttext. Sie lautet: ein anderes Fundament kann niemand legen als das, das schon gelegt ist-Jesus Christus.

Die Gemeinde braucht dieses Fundament heute mehr denn je, jetzt da uns allen der Sturm der Pandemie um die Ohren weht.  Heute da der heiße Wind der Klimakatastrophe auch diejenigen, die das Problem kleinreden, überzeugen kann.

Ein Flickenteppich aus der festen Überzeugung, wir schaffen das alleine mit unseren wissenschaftlichen Möglichkeiten und natürlich hilfreichen Schutzkonzepten ist zu wenig.

Wie wäre es denn mal wieder das Schutzkonzept von Jesus in Anspruch zu nehmen? Zusätzlich zum staatlich verordneten Schutzkonzept natürlich.

Wie sehr Jesus Fundament der Gemeinde und jedes einzelnen Christen sein kann wird sehr schön deutlich an der Stillung des Sturmes. Wenn hier irgendeiner alles unter Kontrolle hat dann doch er. Also bitte bauen sie auf ihn und nicht auf irgendwelche handgestrickten Ideologien oder finanzielle Absicherungen.

Unser eindrückliches Altarbild ist doch kein Erinnerungszeichen an einen längst Verstorbenen, nein es vergegenwärtigt den Gekreuzigten, der zugleich der Auferstandene ist. Er ist so lebendig, dass er sogar wiederkommen wird. Täglich hat er ein offenes Ohr und ein liebevolles Herz für Dich und mich. Bei ihm habe ich 24/7 die Möglichkeit einer Privataudienz.

Ist er das Fundament in unserem Leben und damit auch in unserer Gemeinde?

Noch ein paar Gedanken, wie denn nun auf Christus als dem Fundament der Gemeinde weitergebaut werden kann.

Zum einen dürfen wir Hand in Hand bauen.

Der eine hü und die andere hott kann im Lauf der Zeit zu Spaltungen führen.  Davon sind wir Evangelischen ja stark betroffen. So viele Splittergruppen und jede meint, sie hätte die geistliche Wahrheit gepachtet.

Hand in Hand gelingt der Gemeindeaufbau, wenn wir uns auch gemeinsam dem Wort der Bibel aussetzen u. das Gebet miteinander ausreichend Raum erhält.

Zum zweiten ist das Baumaterial nicht beliebig. Nein, es wird am Ende dieser Weltzeit einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen. Für Jesus darf uns das Beste gerade gut genug sein. In geistlichen Dingen werden wir niemals zu Spezialisten werden. Selbst alte erfahrene Theologieprofessorinnen wissen sich am Ende ihres Lebens von Christus abhängig.

Vor vielen Jahrzehnten gab es sogar mal eine Theologieprofessorin, die sich von ihren veröffentlichten Büchern distanziert hat. Alles was sie veröffentlicht hatte, bestimmte sie später für den Reißwolf.

„Wer nun auf dieses Fundament, nämlich Christus, aufbaut kann dazu Gold, Silber, Edelsteine oder Holz, Heu und Stroh verwenden. Am Tag des Gerichts wird sich die Arbeit jedes Einzelnen im Feuer bewähren müssen. Das Feuer wird zeigen, von welcher Qualität das Bauwerk ist “ heißt es in unserem Predigttext.  Mit genau dieser Bibelstelle begründet die katholische Kirche ihre Lehre vom Fegefeuer. Luther hat sich von der Vorstellung eines Fegefeuers distanziert. In den Ostkirchen gab es die Vorstellung vom Fegefeuer überhaupt nie. Wenn sie so wollen handelt es sich um eine röm.-kath. Sonderlehre, die auch den Ablasshandel begünstigt hat.

Was allerdings absolut biblisch ist, dass alles auf den Prüfstand muss, wenn Jesus wiederkommt.

Wir werden Rechenschaft ablegen müssen über unser Tun, über unser Reden aber auch über unser Unterlassen. Zugegeben das Bild vom Feuer wirkt nicht anheimelnd und wärmend, nein es wirkt bedrohlich und lässt uns erschrecken.  Wir haben ganz aktuell die  Bilder  von außer Kontrolle geratenen Bränden in Kalifornien vor Augen die Menschen und Tiere in die Flucht treiben. Wie es sein kann einem Feuer gerade so mit Mühe und Not zu entkommen, können wir uns vorstellen, selbst wenn wir nicht zu den Aktiven bei der Freiwilligen FW gehören.

Sehr nachdenklich stimmte z.B. der große Brand der Kirche Notre Dame in Paris. Will uns Gott etwas sagen und wenn ja was?

Bevor wir es vergessen: wir tragen auch Gott gegenüber Verantwortung für unser Leben. Nicht Gott hat sich vor uns zu verantworten, sondern umgekehrt, der Mensch wird sich vor Gott verantworten müssen. Diesen Teil unseres Lebens würden wir zu gerne ausklammern, aber das funktioniert nicht. Wie also gehen wir mit dem Dilemma um? Gar nicht bauen? Damit bloß nicht Stroh, Heu oder Holz auf dem Fundament landet? Wenn ich gar nichts tue, kann ich auch nichts falsch machen, also lasse ich es besser.

Nein, besser nicht: Untätigkeit ist Arbeitsverweigerung und damit kontraproduktiv.

Stellen sie sich die Gemeinde mal als Ruderboot vor. Wenn von 8 Rudernden  2 in der Gegend herumschauen und 2 weitere kleine Löcher in das Boot hacken, wird es niemals ankommen.

Es geht nur so, dass wir uns immer wieder am Fundament, an Jesus Christus, orientieren.

Dieses Fundament ist so kostbar. Jesus selbst wird uns auch das passende Baumaterial zur Verfügung stellen. Wir besitzen es nicht. Er selbst wird es uns als kostbare Leihgabe zur Verfügung stellen.

Das ist mal eine spezielle Form der Erbpacht. Der Besitzer trägt die Kosten. Er stellt uns nichts in Rechnung.  Weil das so ist gibt es keinen Grund furchtsam oder mutlos zu sein. Wir dürfen bauen ein jeder an dem Platz und an der Aufgabe die Gott ihm zugewiesen hat. Wir dürfen bauen mit der Gewissheit, dass Gott uns im Gericht wie durch das Feuer hindurch retten wird.

Er ist der Lebensretter, der allein aus der Todesnot rettet.

Bis an das Ende dieser Weltzeit oder unseres eigenen Lebens ermöglicht uns Gott ein Tempel des Hl. Geistes zu sein. Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Er schenkt uns Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Wie wir als Tempel des Hl. Geistes Gott die Ehre geben können, wird uns als Ansporn in einer Inschrift im Dom zu Lübeck verraten. Diese Inschrift lautet:

Ihr nennt mich Licht- so seht mich doch

Ihr nennt mich Weg- so folgt mir doch

Ihr nennt mich Leben- so sucht mich doch

Ihr heißt mich schön -so liebt mich doch

Ihr heißt mich die Liebe – so folgt doch der Bahn, denn wenn ihr mich liebt, habt ihr alles getan.

 

Herzlichst

Ihre Pfarrerin Brigitte Kölling