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Gedanken zu Himmelfahrt am 21.05.2020

Pfarrerin Jutta Kröger

 

 

Liebe Gemeinde,

heute ist der Gottesdienst an Christi Himmelfahrt ganz anders als sonst. Wir sitzen nicht draußen in Gottes Natur, der Posaunenchor ist nicht da, wir müssen einen Mundschutz tragen, wir dürfen nicht singen. Aber unser Organist darf wenigstens Orgel spielen und uns Musik zu Gehör bringen.

Wir sitzen in abgemessenen Abständen voneinander entfernt. Ein Sicherheitskonzept musste vom Presbyterium für diese Kirche erstellt und umgesetzt werden. Ehrenamtliche Küsterinnen und Küster haben dabei geholfen. Herzlichen Dank an Sie alle. Für einen Gottesdienst im Freien hätte noch ein 2. Sicherheitskonzept erstellt werden müssen. Deshalb sind wir heute in unserer schönen Kirche.  Alles anders, wegen Corona.

Ich sehe in der aktuellen Krise mit der Corona-Pandemie eine Gefahr: das wir alle wie ein Kaninchen auf die Schlage starren und den Tunnelblick darauf nicht abwenden können. Denn diese Krise betrifft uns schließlich alle existentiell. Aber es geht uns sehr unterschiedlich damit. Es hängt davon ab, ob wir Kinder haben oder alt sind und gerade in diesen Zeiten sehr allein, ob wir zur Risikogruppe gehören, ob wir für andere sorgen müssen, ob wir bedroht sind, unsere Arbeit zu verlieren und die berufliche Existenz und vieles mehr. Doch wir sind hier und feiern Gottesdienst zusammen. Das ist nach langen Wochen des Wartens wieder möglich.

Am Ende der Geschichte von Christi Himmelfahrt aus der Apostel-geschichte, die wir gerade gehört haben, werden die Jünger gefragt: „Was steht ihr da und seht gen Himmel?“ Ergänzen könnte ich: Anstatt in den Himmel zu starren, schaut auf all das Schöne um euch herum, schaut auf das Schöne in Gottes Schöpfung. Seid Zeugen und Zeuginnen Jesu. Damit ihr das könnt, hat Jesus Christus euch die Kraft des Heiligen Geistes versprochen!

Liebe Gemeinde!

Aufgrund dieser Aussage und gerade weil wir zur Zeit wegen Corona nicht singen dürfen, haben wir/ich beschlossen wenigstens über ein Lied zu predigen. „Geh aus mein Herz und suche Freud“ von Paus Gehrhardt.

Eins meiner Lieblingslieder. Ein Lied von der Schönheit des Frühlings und des Sommers, und wie sich alles zu einem großen Ganzen zusammen fügt.

EG 503

 

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud

in dieser lieben Sommerzeit

an deines Gottes Gaben;

schau an der schönen Gärten Zier

und siehe, wie sie mir und dir

sich ausgeschmücket haben,

sich ausgeschmücket haben.

 

2. Die Bäume stehen voller Laub,

das Erdreich decket seinen Staub

mit einem grünen Kleide;

Narzissus und die Tulipan,

die ziehen sich viel schöner an

als Salomonis Seide,

als Salomonis Seide.

 

 

Das Lied beginnt mit der Ermunterung, dass unser Herz sich doch der Freude öffnen soll in dieser „lieben Sommerzeit“ (Frühlingszeit). Paul Gerhardt weiß, wie die Umstände einem manchmal alle Leichtigkeit nehmen können. Umso wichtiger ist, dass wir dann erst recht „die Freude suchen“, dass wir hinausgehen und die Schönheit des Frühlingstages anschauen. „Schau, wie die Gärten sich ausgeschmücket haben“, sagt er, „für mich und für dich“. Es ist die immer wieder faszinierende Schönheit der blühenden Blumen, der verschiedenblättrigen Sträucher, der Bäume in verschiedenen Formen und Grüntönen. „Für mich und für Dich“, sagt er. Jeder Garten ist wie ein Geschenk. Ein Geschenk, das wir zu jeder Jahreszeit neu bestaunen können, aber im Frühling und Sommer ganz besonders. Ein Geschenk, das uns immer wieder neu erfreut und überrascht. Es ist die Lebendigkeit und Schönheit aller Pflanzen, die uns immer wieder so anspricht.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft,

das Täublein fliegt aus seiner Kluft

und macht sich in die Wälder;

die hoch begabte Nachtigall

ergötzt und füllt mit ihrem Schall

Berg, Hügel, Tal und Felder,

Berg, Hügel, Tal und Felder.

 

4. Die Glucke führt ihr Völklein aus,

der Storch baut und bewohnt sein Haus,

das Schwälblein speist die Jungen,

der schnelle Hirsch, das leichte Reh

ist froh und kommt aus seiner Höh

ins tiefe Gras gesprungen,

ins tiefe Gras gesprungen.

 

7. Der Weizen wächset mit Gewalt;

darüber jauchzet Jung und Alt

und rühmt die große Güte

des, der so überfließend labt

und mit so manchem Gut begabt

das menschliche Gemüte,

das menschliche Gemüte.

Die Freude an den Tieren ist es, die Paul Gerhard jetzt beschreibt.

Nicht nur der Garten, sondern auch „Berg, Hügel, Tal und Felder“ sind erfüllt von der Lebendigkeit der Pflanzen und der Tiere. Wir spüren die Großartigkeit von Gottes Schöpfung, in die wir einbezogen sind. Der Mensch als ein Geschöpf unter so vielen. Und Gott rüstet den Menschen mit manchen guten Gaben aus. Er gibt den Menschen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die sie nutzen können.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn,

des großen Gottes großes Tun

erweckt mir alle Sinnen;

ich singe mit, wenn alles singt,

und lasse, was dem Höchsten klingt,

aus meinem Herzen rinnen,

aus meinem Herzen rinnen.

Paul Gerhardt wendet nun den Blick auf den Menschen und darauf, was alle schönen Beobachtungen des Sommers/Frühlings nun mit mir zu tun haben. Alles was ich da sehe und höre und rieche und schmecke – all das weckt meine Sinne auf. Meine Sinne werden durch die Eindrücke munter und froh. Und was tun wir, wenn wir von Lebensfreude ergriffen werden? Wir lächeln nicht nur eher, sondern wenn wir irgend können, möchten wir auch tanzen und singen und Purzelbäume schlagen.

9. Ach, denk ich, bist du hier so schön

und lässt du’s uns so lieblich gehn

auf dieser armen Erden:

Was will doch wohl nach dieser Welt

dort in dem reichen Himmelszelt

und güldnen Schlosse werden,

und güldnen Schlosse werden!

 

10. Welch hohe Lust, welch heller Schein

wird wohl in Christi Garten sein!

Wie muss es da wohl klingen,

da so viel tausend Seraphim

mit unverdrossnem Mund und Stimm

ihr Halleluja singen,

ihr Halleluja singen.

 

11. O wär ich da! O stünd ich schon,

ach süßer Gott, vor deinem Thron

und trüge meine Palmen:

So wollt ich nach der Engel Weis

erhöhen deines Namens Preis

mit tausend schönen Psalmen,

mit tausend schönen Psalmen.

Nach der Beschreibung der Freunde, überlegt Paul Gerhardt weiter, was denn das Erleben dieser herrlichen Natur für ihn bedeutet.  Sie ist für ihn sowohl ein Sinnbild für die Größe Gottes als auch Grund für eine unverbrüchliche Hoffnung. Alles in seiner umfassenden Ordnung und Schönheit ist für uns ein Hinweis darauf, dass es mehr gibt als das, was wir in dieser Welt kennen und erleben. Unser Erleben ist zugleich Hinweis auf das Größere. Es gibt auf dieser „armen Erde“, wo auch so viel Negatives geschieht, wo Menschen es sich gegenseitig schwer machen, wo Krankheit und Verlust Erwartungen enttäuschen; da gibt es immer wieder so viel Schönheit und glückliche Augenblicke. Es gibt immer wieder diese wunderbaren Momente, wo wir etwas ahnen von der Großartigkeit des Ganzen; wo uns kleine Erfahrungen aufleuchten wie ein hoffnungvolles Licht, wo Traurigkeit überwunden wird.

 

Unser ganzes Leben ist nur ein Hinweis darauf, was Gottes Herrlichkeit eigentlich ist. Leider wird uns dieser Hinweis oftmals vernebelt und getrübt.

 

Nach dieser Welt kommt der Himmel, davon ist Paul Gerhardt überzeugt. Und er redet vom Himmel in Bildern, die Menschen immer wieder für den Inbegriff der Schönheit und des glücklichen Lebens verwenden: von einem goldenen Schloss mit einem königlichen Thron und einem herrlichen Garten. Und er malt uns allen das immer noch vertraute Bild der singenden Engelschöre. Der Himmel, den Paul Gerhardt erwartet, ist offen für alle. Er ist Inbegriff von Freude, von umfassendem Erkennen, von Loben und Danken. Niemand kann sich den Himmel selber schaffen. Er ist Ausdruck der Herrlichkeit Gottes. In diesem Himmel ist die Hoffnung begründet, die mich meinen Weg tapfer gehen kann (auch in Corona Zeiten). Aus diesem Himmel wächst mir die Kraft, die mich Schweres ertragen lässt; von diesem Himmel strahlt die Freude herüber, die mein Leben hier auf Erden hell macht, auch wenn nicht immer alles leicht ist.

12. Doch gleichwohl will ich, weil ich noch

hier trage dieses Leibes Joch,

auch nicht gar stille schweigen;

mein Herze soll sich fort und fort

an diesem und an allem Ort

zu deinem Lobe neigen,

zu deinem Lobe neigen.

 

13. Hilf mir und segne meinen Geist

mit Segen, der vom Himmel fleußt,

dass ich dir stetig blühe;

gib, dass der Sommer deiner Gnad

in meiner Seele früh und spat

viel Glaubensfrüchte ziehe,

viel Glaubensfrüchte ziehe.

Weil Paul Gerhardt diese große Hoffnung hat, die ihn trägt, kann er sich nun mit neuer Freude dem Leben zuwenden. Er leugnet dabei nicht des „Leibes Joch“, was man zuweilen zu tragen hat. Aber die Schönheit der Natur und die Hoffnung auf das Himmelreich ist für ihn der Grund, schon hier auf Erden die Freude zu behalten und Gott zu loben, so oft es möglich ist. Das wir das tun, ist nicht selbstverständlich. Oft genug verstummen wir wieder im Gefühl der Schwere und Hoffnungslosigkeit. Darum bittet Paul Gerhardt um Gottes Segen. So wie Gottes Segen auf der Natur liegen muss, damit das Getreide gedeiht und die Früchte reifen; so braucht auch unsere Wahrnehmung Gottes Segen, damit wir im Alltag die Freude nicht verlieren. Damit wir, auch wenn wir eher eine Topfpflanze sind als eine Gartenblume, das Blühen nicht vergessen. So wie es draußen Sommer geworden ist und die Früchte reifen, so soll Gott es auch Sommer in uns werden lassen, damit unsere Früchte reifen, die Früchte unseres Lebens und die „Glaubensfrüchte“. Aber was sind „Glaubensfrüchte“, liebe Gemeinde! Ich denke, das ist so etwas wie Gelassenheit in aller Unruhe; das ist Hoffnung, gerade jetzt in dieser ungewissen Situation, das ist Freude, die sich auch an kleinen Dingen entzünden kann. Und das ist v.a. das Vertrauen auf Gott, das er uns hilft und begleitet.

14. Mach in mir deinem Geiste Raum,

dass ich dir werd ein guter Baum,

und lass mich Wurzel treiben.

Verleihe, dass zu deinem Ruhm

ich deines Gartens schöne Blum

und Pflanze möge bleiben,

und Pflanze möge bleiben.

 

15. Erwähle mich zum Paradeis

und lass mich bis zur letzten Reis

an Leib und Seele grünen,

so will ich dir und deiner Ehr

allein und sonsten keinem mehr

hier und dort ewig dienen,

hier und dort ewig dienen.

Gottes Segen ist es, wenn wir die Freude spüren, und auch in nicht einfachen Zeiten unseres Lebens Glaube und Hoffnung entwickeln. Dann werden wir wie ein Baum, der auch in dürren Zeiten mit seinen tiefen Wurzeln Wasser aufspürt. Dann werden wir wie eine Blume, die für andere ein wohltuendes Geschenk ist.

Und dann wird unser Aufbruch zu unserer letzten Reise nicht das Ende sein, sondern unsere Freude wird vollkommen sein, wenn wir im Paradies, in Gottes Reich angekommen sind.

 

Amen

Sonntagsgedanken zum 24.05.2020, Exaudi                  

Pfarrerin Brigitte Kölling

Text: Markus 14,1-9

Thema: Für Jesus. Unser Allerbestes!?

               Jesus -unser ein und alles?

An Jesus scheiden sich die Geister, über ihn erregen sich die Gemüter. Er lässt niemanden kalt.

Das beginnt schon mit der Ankündigung seiner Geburt. Seine Mutter muss schwer schlucken und sein Ziehvater Joseph will den Platz, den Gott für ihn bestimmt hat, erst gar nicht annehmen.

Alles andere aber nicht der Vater eines Kuckuckskindes werden.

Prompt geht es nach der Geburt weiter mit dem König Herodes. Er bangt um seine Macht und reißt unschuldige Kinder in seinem Machtwahn in den Tod. Doch Gott hält seine schützende Hand über seinen Sohn.

Und nun in unserem heutigen Predigttext sind es mal wieder die geistlichen Führer, die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die so falsch sind und Jesus ermorden wollen.

Haben sie denn nicht ihre über 600 Gebote im Herzen und dabei besonders das 5.Gebot „Du sollst nicht töten.?“ 

Während Intrigen gegen Jesus gesponnen werden, tut ihm Simon der Aussätzige Gutes. Er lässt Jesus seine Gastfreundschaft spüren.

Wie wir Jesus kennen hat er ihn vermutlich von seinem Aussatz geheilt.

Wenn solche besonderen Dinge zwischen Jesus und einem Menschen geschehen, dann wird die Bindung an ihn noch intensiver und inniger.

Wer unter uns könnte das vergessen, wenn Jesus ihn aus großer persönlicher Not heraus gerettet hat.

In den Fällen, in denen in unserer heutigen Zeit der Pandemie unsere persönliche Not nicht möglichst schnell und gründlich durch Gott gewendet wird, ist Jesus doch an unserer Seite und hilft uns zu tragen und zu ertragen.

Diese mutige Frau, möglicherweise Maria Magdalena, platzt nun in das Abendessen hinein und drückt in einer Art Zeichenhandlung ihre Liebe zu Jesus aus.

300 Denare, ungefähr ein Jahreslohn, also eine recht hohe Summe ist ihr Jesus wert.

Gott nimmt eine Frau in seinen Dienst um über seinen Sohn das Folgende klarzustellen:

Ihr seht den König des Himmels und der Erde vor euch und deswegen wird er durch eine ganz gewöhnliche Frau zum König gesalbt. Der König wird aber auch gleichzeitig zum Tod gesalbt.

Ein Ritual, das den Verstorbenen als eine Art letzte Ehre erwiesen wird in Israel.

Hier also klar der Hinweis, der Tod des Königs steht unmittelbar bevor. Es lässt sich nicht umgehen, dass der Messias um unseretwillen in den Tod geht.

Rührt uns das an heute nachdem wir schon viele Wochen der Corona-Pandemie überstanden haben? Niemals darf uns das zur gleichgültigen Selbstverständlichkeit werden, dass er unsere Strafe trägt. Unsere katholischen Geschwister haben ein schönes Mittel sich das Leiden und Sterben vor Augen führen zu lassen. In manchen Kirchen ist der Kreuzweg vor Augen gemalt. Wie gut und wichtig.

Wir als Evangelische haben bei uns vor Ort  die gute Tradition der Passionsandachten. In Brot u. Wein kommt der Herr uns nahe u. wir ihm. Über die Passion Christi nachzudenken und darüber zu meditieren, macht übrigens nicht nur in der Karwoche Sinn.

Doch zurück nach Bethanien zu dem festlichen Essen bei Simon. Noch während Jesus mit dem kostbaren Öl gesalbt wird, schlägt die Entrüstung und Empörung anderer Gäste schon hohe Wellen. Wie kann man nur…..! Das ist nicht nur ein liebloser, zerstörerischer Satz gegenüber der mutigen Frau, die voller Liebe ist. Sie hat Jesus als den Messias erkannt. Die herben Kritiker der Frau und der Salbung von Jesus, die ja einen ganz tiefen geistlichen Sinn hat, stellen sich auch über den Herrn.

Sie spielen sozusagen die Armen und die nötige Fürsorge für diese gegen Jesus aus. Das hat schon etwas hinterhältiges.

 In ihrer persönlichen Rangfolge kommen schön fromm und wohltätig zuerst die Armen.

 Jesus dagegen spielt eine eher untergeordnete Rolle. Wie ist das mit uns? 

Natürlich ist es gerade heute wichtig den Armen großzügig von unserem persönlichen Überfluss zu geben. Durch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen wir nun stecken, geht es gerade der ärmeren Bevölkerung weltweit noch schlechter.  

Gleichzeitig gebührt Jesus allein der Ehrenplatz in unserem Leben. Hat er den?

Bitte prüfen sie ihr Herz; besser noch lassen sie es von Gott prüfen. Was ist Jesus mir Wert?

 Bei der Streitfrage um das kostbare Öl war es umgerechnet etwa ein Jahresgehalt.

Bedeutet mir Jesus alles? Ist er mein Ein und Alles? Bin ich bereit alles in ihn zu investieren?

Nichts zurückzuhalten, was ihm gehört? Letztendlich ist doch alles geliehen und sei es diese Ölflasche oder der Sonnenschein, der Regen u. die Luft zum Atmen.

Jesus jedenfalls teilt immer großzügig aus. Er gibt sogar sein Leben auf eine äußerst schmerzhafte Art und Weise. Das eigene Leben für andere zu opfern ist gewiß das Kostbarste, was wir uns denken können.

Weil Jesus den Plan des Vaters kennt, springt er auch sofort der großzügigen Frau, die ihn salbt, zur Seite. Er stellt sich schützend vor sie damit die überheblichen, kritischen Sätze der anderen, sie nicht wie giftige Pfeile treffen können. Eure Fürsorge für die Armen ist ja nur vorgeschoben, wenn ihr gleichzeitig so garstig zu der armen Frau seid.

Manchmal brauchen wir solche Vorbilder im Glauben, wie es diese großzügige Frau ist.

Worin kann sie uns Vorbild sein? Da ist z.B. ihre Hingabe.

Wie Jesus sich zur Vergebung unserer Schuld hingegeben hat, so dürfen wir uns und unser ganzes Leben dem Herrn hingeben.

Ein kleiner, kümmerlicher Rest ist definitiv viel zu wenig für den Herrn. Was ist uns Jesus wert?

Bzw. worin sehen wir unseren Lebensmittelpunkt, in den wir dann auch bereit sind angemessen zu investieren? Wie opferbereit sind wir ihm gegenüber?

Ein weiterer Punkt, in dem uns die Frau ein Vorbild sein kann, ist ihre Furchtlosigkeit.

Die Furchtlosigkeit ist durch den Hl. Geist gewirkt. Frauen hatten in dieser Zeit an sich nicht viel zu melden. Um so erstaunlicher, dass sie mitten in das Abendessen hineinplatzt mit einer aus Sicht der  anderen Gäste vorsichtig formuliert außergewöhnlichen Idee, die zur Tat wird.

 Ach, möge doch auch in unserem Leben immer wieder unsere Menschenfurcht durch Gottesfurcht abgelöst werden. Gottesfurcht meine ich jetzt durch u. durch positiv als eine tiefe Gewißheit, dass Gott der Herr dieser Welt u. meines Lebens ist. Und diese enge Verbindung führt dazu, dass der Hl. Geist in meinem Leben wirken kann. Er wird mich leiten u. mir den Mut schenken auch mal außergewöhnliche Dinge für den Herrn zu tun. Aktionen von denen mein Umfeld vielleicht gar nicht so sehr überzeugt ist und die ich deswegen auch selbst in Frage stellen könnte. Aber Gott ist stärker und kann alle meine Zweifel überwinden.

Als Beispiel möchte ich hier die Mitglieder der Bekennenden Kirche nennen. Dadurch, dass sie sich im Gebet Gott immer wieder hingaben u. in der christlichen Gemeinschaft getröstet wurden, konnten sie letztendlich dem Bösen widerstehen.

Wenn sich Zivilcourage und Gottescourage miteinander verbinden, ist das hilfreich und fruchtbar für unsere Gesellschaft gerade jetzt in der Zeit, in der wir doch erkennen müssen, dass wir als Menschen eben nicht allmächtig sind. Lange genug, haben wir das aufgrund unserer wunderbaren Fortschritte in der Forschung ja angenommen. So äußerte z.B. ein 48 Jahre alter Fotograf aus New York, er habe sich immer für unverwundbar gehalten.  Mal ganz abgesehen von diesem Kranken gilt doch:

Wenn der Mensch durch den Mammon diese Welt regiert, dann kommt in keinem Fall etwas Kluges dabei heraus.

Klug hat allerdings die Frau aus Bethanien gehandelt. Sie hat schon im Vorfeld der Kreuzigung in ihrer Zeichenhandlung darauf hingewiesen, dass Jesus als der Gekreuzigte und Auferstandene der Dreh- und Angelpunkt dieses ganzen Universums ist.

Es genügt nicht, ihre Klugheit alleine zu bewundern. Nein, lasst uns uns durch den Hl. Geist dieser Klugheit im Glauben anschließen

 Für Jesus, den wahren Herrscher dieses ganzen Universums, nur unser Allerbestes: unser Herz, unsere gesamte Existenz und alles, worum er uns bittet.

 Diese geschundene Welt braucht jeden einzelnen Christen, der bereitet ist sich von Jesus in Dienst nehmen zu lassen.

Viel Segen und Bewahrung wünscht herzlich

Brigitte Kölling

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Sonntagsgedanken zum 17.05.2020, Rogate

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern…(Mt, 6,9 -15)

 

Liebe Gemeinde,

Mitte März mussten plötzlich unsere Schulen schließen, eine Woche später alle Geschäfte und uns allen wurde klar, „es ist ernst“, unsere Wirklichkeit hatte sich verändert. Leben mit einem lebensgefährlichen Virus, Vermeiden weiterer Infektionen, um die Krankenhäuser vor Überlastung zu schützen, das wurde plötzlich überlebenswichtig. In diesem Zuge wurden auch unsere Gottesdienstfeiern ausgesetzt. Aber wir, Christengemeinden, waren ja noch da, und so läuten seitdem unsere Glocken um 19.30 Uhr, damit alle, die es hören und wissen, sich zum Fürbitt- und Vaterunsergebet eingeladen fühlen. Fürbitten, das heißt beten für Menschen, denen es nicht gut geht,. Klassische Fürbitten stehen ein für arme oder kranke Menschen, besonders belastete Menschen oder einfach für unsere Lieben. Eingeladen sind wir seitdem aber auch zum Ökumenischen Vaterunsergebet. Denn das Vaterunser ist unser Grundgebet im Christentum, es stammt von Jesus selbst her, das ist ziemlich sicher. Und es war auch Jesus, der es uns beigebracht hat, wie man betet. Denn das ehemals jüdische Achtbittengebet leitet er ein mit dem Wort: Unser Vater. Wir sollen uns an Gott richten wie an einen liebevollen Vater. Sicherlich ist nicht in jeder Biografie ein treu sorgender und liebevoller Vater präsent gewesen, das muss man zwar bedenken, aber gerade dann ist ein Gedanke hilfreich: Gott ist hier gedacht als Abba, Papa, jemandem, zu dem man gerne Papa sagen würde!

            Ich finde es gut, dass das Vaterunser auch heute in unserer säkularen Umwelt noch fast alle mitsprechen, die sich christlich nennen, von klein bis groß. Und so eignet es sich auch, es stellvertretend zu beten für andere Bitten und Fürbitten, gerade wenn keine Zeit bleibt zum tiefen Gebet.

            Tiefes Gebet…? Was soll das sein? Meditation, stille Einkehr oder lautes, inbrünstiges Sprechen mit Gott? Liebe Leserinnen und Leser, was verstehen Sie unter einem Gebet? Wo ist es Ihnen zuerst begegnet? Im Gottesdienst, im Konfirmandenunterricht, im Kindergottesdienst, am Abend im Bett oder am Morgen am Frühstückstisch? Die evangelische Kirche hat kürzlich erhoben, wo das Gebet besonders häufig in den Familien gepflegt wird, und wahrscheinlich deckt sich Ihre Erfahrung mit der Statistik: Am Kinderbett, mit vertrauten Worten durch Mutter, Vater oder Großeltern, auch diese Generation ist für die Glaubensweitergabe nicht zu unterschätzen!

            Diese Ursprungssituation des Gebets im Leben des Einzelnen deckt sich in gewisser Weise mit der Empfehlung, die Jesus für das christliche Beten gibt: „Wenn aber Du betest, gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; Und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.“ (Mt. 6, 6) So hat das christliche Gebet von Anfang an etwas Intimes und Stilles, den Blicken s entzogenes, aber darum geht es wohl nicht so sehr als um das persönliche Sprechen mit Gott. So wie wir mit all’ unseren persönlichen Erfahrungen  – sei es mit guten oder schlechten Vätern und Müttern im Hintergrund – zu Gott kommen dürfen, so dürfen wir unsere ganz persönlichen Gedanken und Besorgnisse, persönliche Fragen an Gott in das Gebet einfließen lassen.

            Nun darf man von Pfarrerinnen erwarten, dass sie beten gelernt haben, und das gilt sicherlich vor allem für das öffentliche Gebet. Aber wie beten Menschen, die viel in der Öffentlichkeit stehen, privat? Nun, ich gestehe, feste Gebetszeiten habe ich nicht, aber eine Grundeinstellung, dass das Gebet zu Gott immerwährend ist, mich trägt, sozusagen sekündlich. Nicht alle Sekunden und Stunden eines Tages kann und will ich beten, aber ich bin quasi immer in Gebetsbereitschaft, manchmal nur mit einem „unaussprechlichem Seufzen“. Schon der Apostel Paulus wusste, dass grundsätzlich alles Gebet sein kann. (Römer 8,26) Denn es gibt ja auch das Gebet der Tat, die zupackende Hilfe oder mitfühlende Anteilnahme, die vor Gott gebracht, Gebet ist. Und um im Strom der Ereignisse um mich herum die rechte Aufmerksamkeit dafür zu finden, was nun wann und wo am meisten gebraucht wird, muss man Mittel und Wege finden, um in sich zu gehen einerseits, andererseits aber auch, aus sich heraus zu gehen! Für diese Unterscheidung brauche ich Gebete, Gebete des Geistes, des Mundes, des Herzens und der Hände, und dafür habe  ich für mich neben dem Vaterunser das sogenannte Gelassenheitsgebet passend gefunden. Besser gesagt, es hat mich gefunden, denn es wurde mir einmal als junger Pastorin – schön gestaltet – überreicht und das Vaterunser gleich dazu. Eine Weile waren mir diese Wort-Bilder Lesezeichen, aber dann habe ich sie gerahmt und in die Nähe meines Arbeitsplatzes in die Fensterbank gestellt, so dass ich sie immer vor Augen habe: „HERR, schenke mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden“.

            Das Gelassenheitsgebebet drückt für viele moderne Menschen aus, was auch ich empfinde: Die Hoffnung, immer von Gottes gutem Geist geleitet zu werden, auf einer Woge von Güte und Gnade. Wie Bonhoeffer sinngemäß sagte: Gott ist sich nicht zu schade, um auch mit unseren Fehlern fertig zu werden und unsere vermeintlichen Guttaten anzunehmen und sie zu etwas wirklich Gutem zu verwandeln! Aber vielleicht ist  das Gelassenheitsgebet doch nur ein Anfang und es täte not, tiefer zu gehen, bei den Problemen, die ich identifiziere, nicht schon heimlich auf die Tat zu schielen („Dein Reich komme“ und ich muss ihm Raum machen…)  sondern leise und still die Bitten für den Wandel der Welt (des Mangels, des Unheils, der Ungerechtigkeit) ins Wort zu fassen. Genau deshalb ist mir das Vaterunser als Gegenpart so wichtig. In der Kreuzesform aufgeschrieben, gibt es Halt in alle vier Himmelsrichtungen. Gott, so sehe ich, liegt jedem unserer Gedanken zu Grunde, jeglicher Sehnsucht nach Heilsein für alle Welt. Und ich bin überzeugt: Wie auch immer wir beten, wir schaffen Raum für Hoffnung auf eine gute Zukunft für Mensch und Welt im Angesicht Gottes! Amen.

 

Ihre Pfarrerin Stefanie Pensing

 

„Erleuchte und bewege uns, leite und begleite uns, erleuchte und bewege uns, leit’ und begleite uns, erleuchte und bewege uns, leit’ und begleite uns.“ (Zusatzgesangbuch 070)

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„Den Gesang der Engel hört man auch im Lager“

Predigt zum Sonntag Kantate

von Pfarrerin Leona Holler

Olivier Messiaen, Organist an der Kirche La Trinite, ist 31 Jahre alt, als er 1939 zum Kriegsdienst bei der französischen Armee einberufen wird. 1940 gerät er in deutsche Kriegsgefangenschaft auf einem Feld bei Toul, westlich von Nancy. Von dort wird er in ein Lager bei Görlitz interniert, wo „achttausend Belgier und vierzigtausend Franzosen in ein Lager mit dreißig Barracken“ untergebracht waren. Messiaen hat Glück. Einer der deutschen Hauptmänner hatte ein Herz für den jungen Mann und ein Herz für die Musik. Man baut eine Baracke zum Lagertheater um, eine andere zur Kirche. In Letzterer räumt man Messiaen eine Ecke zum Komponieren ein, die er nutzt, um ein Werk zu komponieren, das bis heute viel Beachtung findet: Das „Quatuor pour la fin du Temps“ – das Quartett für das Ende der Zeit, zusammen gestellt für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier.

Die Uraufführung dieses Musikstückes findet am 15. Januar 1941 in bewegender Weise statt: In der Theaterbaracke versammelt sich neben der deutschen Lagerleitung gut 400 Franzosen, die wegen der Januarkälte in geflickte tschechische Uniformen und Holzpantoffeln gestopft worden waren, um der Musik zu lauschen.

„Niemals wieder wurde mit solcher Aufmerksamkeit und solchem Verständnis zugehört“, erzählte Olivier Messiaen noch Jahrzehnte später. In seinen eigenen Erinnerungen hat Messiaen die Zahl der Zuhörer auf 5000 erhöht. Denn mit dem inneren Ohr hörte damals tatsächlich das halbe Lager zu: „Das Publikum war eine äußerst vielfältige Mischung aus allen Gesellschaftsschichten – Landarbeiter, Hilfsarbeiter, Intellektuelle, Berufssoldaten, Ärzte und Geistliche.“ Unterschiede zwischen ihnen gibt es nicht mehr, ja selbst der Unterschied zwischen Freund und Feind ist in jenem Moment aufgehoben, als die Zuhörenden sich aus ihren Lebensumständen lösen und ihnen für eine Stunde durch die Musik entfliehen können.

Olivier Messiaens Kompositionen sind Zeugnis eines tiefen Glaubens: „ein Versuch und Stammeln, wenn man die erdrückende Größe des Themas bedenkt!“. Und so liegt seinem Quartett ein Bild aus der Offenbarung des Johannes zugrunde, aufgeschrieben im 10. Kapitel:

„Und ich sah einen starken Engel vom Himmel herabkommen, der war mit einer Wolke bekleidet und hatte den Regenbogen auf seinem Haupt und ein Antlitz wie die Sonne und Füße wie Feuersäulen. Und er hatte in seiner Hand ein Büchlein, das war aufgetan. Und er setzte seinen rechten Fuß auf das Meer und den linken auf die Erde… Und der Engel, den ich stehen sah auf dem Meer und auf der Erde, hob seine rechte Hand gen Himmel und er schwur bei dem, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, dass hinfort keine Zeit mehr sein soll, sondern in den Tagen des siebenten Engels, wenn er posaunen wird, dann ist vollendet das Geheimnis Gottes.“ (Offenbarung 10, 1-2 und 5-7).

„Und der Engel schwur bei dem, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, dass hinfort keine Zeit mehr sein soll…“

Hinfort soll keine Zeit mehr sein: Das Aussetzen der menschlichen Zeit – der Anbruch einer neuen, einer Gotteszeit – für den jungen Katholiken Olivier Messiaen war dies unter den erbarmungswürdigen Zuständen im Lager eine große Hoffnung. Nicht nur eine große, sondern geradezu eine lebensnotwendige Hoffnung. Eine Hoffnung, die über das Schicksal, das er ertragen muss, hinausgeht. Eine Hoffnung, die ihm ein Bild schenkt von dem, wie Leben sein kann. Vor allem aber eine Hoffnung, auf die hinzuleben sich lohnt.

Messiaen hat dieser Hoffnung Klänge und Töne gegeben und jenen, die mit ihm in diesen Baracken waren, einen Moment dieser anderen hoffnungsvollen Welt geschenkt. Für manch einen war dies der Moment, in dem er auf das Leben weiter zu hoffen wagte.

„Nie wieder hat man mir mit solcher Aufmerksamkeit und solchem Verständnis zugehört wie damals.“

Nie wieder – Olivier Messiaen starb 1992.

Aber seine Kompositionen leben weiter.

Eines der Klarinettensoli aus dem Quartett für das Ende der Zeiten wurde am letzten Freitag, am 8. Mai 2020, in Gedenken an das Kriegsende vor 75 Jahren zur Aufführung gebracht.

Der Ort? Ein deutsch-russisches Videokonzert, übertragen durch die Deutsche Welle und dargeboten von einem deutsch-russischen Jugendorchester. Eigentlich gebucht für diesen Gedenktag, traf es sich, bedingt durch die Coronakrise, in kleinen Ensembles im seit Wochen leer stehenden Berliner Konzerthaus, in der Moskauer Philharmonie und im Petersburger Mariinsky-Theater, um mit dem vom Infektionsschutz geforderten Mindestabstand voneinander zu musizieren. Das Ergebnis ist ein inniges und ergreifendes musikalisches Gesamtkunstwerk, eine – wie die Außenminister von Russland und Deutschland betonten – Konzertbrücke namens: „Gemeinsam in schweren Zeiten“.

Gemeinsam in schweren Zeiten! Es sind zweifelsohne, liebe Schwestern und Brüder, schwere Zeiten. Ungewohnt schwere Zeiten, wobei, und das ist wichtig festzuhalten, die derzeit schweren Zeiten hier bei uns in Deutschland, allzumal in Soest, in nichts zu vergleichen sind mit den schweren Zeiten zwischen 1939 und 1945.

Wir müssen nicht in Kellern Zuflucht suchen, müssen nicht um das Leben unserer Lieben an der Front oder in der Gefangenschaft bangen. Wir leben nicht unter der vernichtenden Herrschaft einer grausamen Diktatur. Wir können die, die wir lieben und mögen oder die unsere Hilfe brauchen, anrufen, wir können sogar Kontakt aufnehmen per Video.

Manch einer hat von Krieg gesprochen vor gut acht Wochen, als das Coronavirus in unser Leben trat. Ich finde diesen Ausdruck falsch und unverantwortlich denjenigen gegenüber, die einen Krieg derzeit miterleben  müssen oder denjenigen, die jenen Krieg miterlebt haben, dessen Ende vor 75 Jahren wir am Freitag erinnern konnten.

Der 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung. Jede und jeder, der etwas anderes sagt oder in diesen Tagen von einem Tag der Niederlage für Deutschland spricht, offenbart einmal mehr das gefährliche und menschenverachtende Gedankengut, das in unserem Land sich umtreibt.

„Der 8. Mai 1945 war ein Tag der Befreiung,“ hatte Richard von Weizäcker in einer viel beachteten Rede 1985 gesagt: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“

Der 8. Mai war das Ende einer Schreckensherrschaft, die mit dem 30. Januar 1933 begann. Für unzählige Menschen nahm am 8. Mai eine neue Zeit ihren Anfang, auf der sie seit 8 Jahren hin gehofft hatten. Eine neue Zeit, die nicht schreckensfrei war, sondern einen anderen Schrecken in sich trug angesichts der zerbombten Heimat oder der verstorbenen Familienangehörigen und Freunde. Eine Zeit aber auch, in der durch viel Bemühen und viel gegenseitiger Achtung Gutes und ein Neuanfang gelingen konnte.

Gutes, das allerdings – und davor warnte der aktuelle Bundespräsident am Freitag, Gutes, das nicht einfach auf ewig gesichert ist: „Der 8. Mai war nicht das Ende der Befreiung – Freiheit und Demokratie sind ein bleibender Auftrag, unser Auftrag“.

Der Bewahrung der Schöpfung und der Bewahrung des Lebens gilt an jedem Tag unser Bemühen, liebe Gemeinde. Nichts, auf dem wir uns bewegen, ist sicher. Weder unser Frieden, noch unsere Demokratie, noch unsere Gesundheit, geschweige denn unser Leben. Gerade in diesen Coronatagen wird uns dies einmal mehr bewusst: Demütig stehen wir vor der Erkenntnis, dass unser Leben zerbrechlich und gefährdet ist. Und dass wir uns beschränken und achtsam sein müssen, um andere und uns zu schützen.

In manchen Familien, liebe Gemeinde, genügt die Erkenntnis, dass wir uns beschränken müssen, schon, damit Krieg ausbricht. Unsere überfüllten Frauenhäuser sind ein Zeugnis davon ebenso wie die unverantwortlichen und gewaltsamen Demonstrationen von linken und rechten Verschwörungstheoretikern.

Es mag sich, liebe Schwestern und Brüder, so anfühlen, als hätten wir keine Freiheiten mehr. Doch das ist falsch. Freiheit ist so viel mehr als sich in Gruppen am Flussufer zusammen setzen oder maskenfrei einkaufen zu können. Wir Menschen sind die einzigen Geschöpfe, die eine Freiheit besitzen, die weit über all das hinausgeht:

Wir sind frei durch die Kraft unseres Geistes. Wir sind frei dadurch, dass wir uns einstellen können zu dem, was uns derzeit widerfährt. Wir haben die Wahl, uns zu den Gegebenheiten unseres Lebens so oder so zu entscheiden. Wir haben die Wahl, uns in unserem Gram zu verkriechen oder unseren Geist in die Welt hinaus zu schicken und für uns alles Schönes und Wertvolle einzufangen, was es gibt: Viktor Emil Frankl, Psychologe und Überlebender von Ausschwitz, hat die Kraft der Einstellungswerte immer wieder betont: „Die letzte menschliche Freiheit besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.“

Diese menschliche Freiheit kann uns niemand nehmen. Die Freiheit, dass der Geist sich über die Dinge erheben kann. Und der Musik, die wir an diesem Sonntag zu bedenken haben, kommt darin eine unendlich große Bedeutung zu. Sie vereint immer schon Menschen zu allen Zeiten und in allen Zeiten ihres Lebens. Sie schenkt eine Freiheit, die alle Grenzen sprengt und in den Himmel reicht. Sie öffnet den Geist und lässt unser Herz gleichsam alles fühlen – von tiefer Trauer bis rechter Freude. In der Musik kommt das ganze Menschsein vor. Wo Menschen und Musik zusammenkommen, wird der menschliche Geist über Grenzen getragen von einer Kraft, die überirdisch im wahrsten Sinne des Wortes ist.

Ein Sonntag, liebe Schwestern und Brüder, ein Sonntag ist der Musik gewidmet im Kirchenjahr. Dieser Sonntag ist heute. Just jener Sonntag, an dem uns das Singen verboten ist. Aber nicht das Hören. Nicht das Fühlen. Nicht das Abtauchen in die Weite des Lebens. Nicht das Gewiss sein, dass auch die Musik von Gott ist. Denn da, wo Musik ist, ist Gott. Da, wo Musik ist, erfüllt die Herrlichkeit des Herrn dein Haus. Da, wo Musik ist, bricht eine neue Zeit an. Amen.

Das beschriebene Konzert können Sie ansehen unter folgendem Link:

https://www.youtube.com/watch?v=iJmO_8R__L0

Der letzte Vers spielt an auf die alttestamentliche Lesung aus dem Buch der Chronik: 2. Chr 5, 2-5(6-11)12-14

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Sonntagsgedanken zu Jubilate

Darum werden wir nicht müde!

Sondern wenn auch unser äußerer Mensch verfällt,

so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.

Denn unsere Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist,

schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit,

uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.

Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich;

Was aber unsichtbar ist, das ist ewig. (2. Brief des Paulus an die Korinther 4,16 - 18)

Liebe Gemeinde,

vor einigen Tagen telefonierte ich mit einem guten Freund, der altersbedingt nur noch wenige Haare auf seinem Kopf hat. Und wie so oft in dieser Zeit landeten wir ganz schnell beim Thema Corona-Pandemie und schütteten uns gegenseitig das Herz aus. Die fehlende Möglichkeit zum Friseur gehen zu können, brach sich dann plötzlich Raum. “Ach“, sagte mein Freund“, "das ist doch kein Problem: Wenn ich nicht zum Friseur gehen kann, dann mach ich mir eben einen Zopf.“ Ich erwiderte: “Ja und dabei hast du noch den Vorteil, dass ihn kein Mensch bemerkt und du immer adrett aussiehst.“ Wie Sie sich denken können, haben wir beide lauthals angefangen zu lachen. Es gibt sie - auch in Coronazeiten -, die kleinen Gelegenheiten, wo wir fröhlich sind. Allerdings erlebe ich in vielen Telefonaten zur Zeit meistens anderes: Angst um die Familie und besonders um die Kinder, Angst um sich selbst, Sorgen bzgl. der persönlichen finanziellen Lage, Unsicherheiten in Bezug auf Vieles, was zur Zeit nicht möglich ist. Traurigkeit, dass es im Moment noch keine Gottesdienste gibt und Karfreitag und Ostern keine gab… . 

In dieser Gefühlslage hören wir die Worte des Apostels Paulus : Darum werden wir nicht müde! Ich denke, Paulus meint damit nicht die Müdigkeit nach einem arbeitsreichen Tag, dem ein gesunder Schlaf folgt. Sondern, wenn Paulus sagt: Wir werden nicht müde, dann meint er:

Wir verzagen nicht!

Wir resignieren nicht!

Wir bewältigen auch Situationen, die aussichtslos erscheinen!

Wir behalten den Kopf oben, auch wenn wir nicht wissen, wie es weitergehen soll!

Wir werden nicht müde! Diese Aussage des Paulus hat einen aufweckenden, ja einen mutmachenden Klang. Woher nimmt der Apostel diese Kraft, diese Zuversicht? So schreibt er: …wir sehen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare.

Was heißt das überhaupt, und wie ist das möglich: auf das zu sehen, was man nicht sehen kann? Oder würden Sie auch – wie Paulus – sagen können: Unsere Bedrängnis, also das, was uns bedrückt und uns Angst macht, all das ist leicht und zeitlich. All das ist vorrübergehend. Ja, es ist leicht gegenüber der ewigen Herrlichkeit? Für mich klingt das irgendwie wie Vertröstung auf ein Jenseits oder wie eine Beschwichtigung: Es ist alles nicht so schlimm! Was fangen wir damit an, bei einem Besuch bei einem Schwerkranken, bei einem  Gespräch mit einen Menschen, der angesichts von Corona völlig verzweifelt ist, bei einem Gespräch mit den Angehörigen eines Menschen, der von Covid-19 betroffen ist und beatmet wird?

Tatsächlich sind die Worte des Paulus immer wieder im Sinn einer Vertröstung und Beschwichtigung verstanden worden. Man kann allerdings bezweifeln, dass Paulus sie so gemeint hat. Denn kurz vor den Zeilen unseres Predigttextes schreibt er:

Wir sind von allen Seiten bedrängt

Uns ist bange

Wir leiden Verfolgung

Wir werden unterdrückt.

Paulus ist in großer Bedrängnis. Er weiß, wovon er redet. Er selbst hätte also allen Grund, voller Angst, nichts tun zu können, zu resignieren und müde zu sein. Damit wäre er in seinem Empfinden als Mensch ganz nah bei uns heutigen Menschen. Aber trotzdem sagt er: Wir werden nicht müde!

Denn Paulus weiß noch von einer anderen Erfahrung! So schreibt er

nicht nur Wir sind von allen Seiten bedrängt, sondern auch, aber wir ängstigen uns nicht; nicht nur Uns ist bange, sondern auch, aber wir verzagen nicht;

nicht nur Wir leiden Verfolgung sondern auch, aber wir werden nicht verlassen;

nicht nur Wir werden unterdrückt, sondern auch, aber wir kommen nicht um.

(s. 2. Kor 4,8.9)

All das sieht Paulus nicht als Ergebnis seiner eigenen Bemühungen an, sondern er nimmt es als Geschenk Gottes an. Paulus weiß sich mit all seinen negativen und positiven Erfahrungen mit seinem Herrn Jesus Christus verbunden. Paulus geht davon aus, dass er einerseits am Leiden und Sterben seines Herrn Jesus Christus teilhat, also auch sein eigenes Kreuz zu tragen hat. Andererseits glaubt er, dass er bereits zu Lebzeiten auch an der Auferstehung seines Herrn teilhat. Die Kraft dieses Lebens, des Lebens des Auferstandenen, ist es, die Paulus trotz aller Bedrohungen, denen er ausgesetzt ist, nicht aufgeben lässt. Diese Kraft lässt ihn nicht müde werden.

Liebe Gemeinde,

vielleicht ist es gerade in Corona-Zeiten gut für uns, bei Paulus die Schulbank zu drücken. Denn er lässt sich partout nicht irre machen und fängt aus seinem Glauben heraus – allem zum Trotz – immer wieder neu an. Wir können hoffen und Gott darum bitten, dass sich  - so wie bei Paulus - das Leben des Auferstanden an uns offenbart und uns hält. Dass wir erfahren und darüber staunen: Darum werden wir nicht müde!               

Amen!

Gott segne und behüte Sie!

Herzliche Grüße

Ihre Jutta Kröger, Pfarrerin

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Sonntagsgedanken zu Misericordias Domini

 

Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; der unsere Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 1. Petrus 2, 21-24


Liebe Gemeinde,

Leiden und Heilwerden, das ist der Bogen, den der 1. Petrusbrief in diesem Predigttext spannt.

Es ist ein später Brief, der sich zwar auf den Apostel Petrus beruft, aber wahrscheinlich aus der Schule des Paulus stammt. Er richtet sich an Gemeinden im nordwestlichen Kleinasien, dem heutigem Griechenland. Er hat Gemeinden aus der Zeit um 100-120 n. Christus vor Augen. Sie mussten sich mit chronischen, immer wieder aufflammenden Verfolguungen ihres Glaubens auseinandersetzen, da die verschiedenen Kaiser jener Zeit immer noch ihren Tribut im Staatskult forderten. Dennoch werden immer noch viele Christen als Erwachsene bekehrt worden sein und die Haus- oder Kindertaufe eher die Ausnahme gewesen sein.

Der einzelne Christ und sein Gewissen in der Zeit der Verfolgung ist die Voraussetzung der oben aufgeschriebenen Zeilen. Gerade die neuen Christinnen und Christen, die am Anfang begeistert ihr Taufkatechumenat absolviert hatten und dann in der Osternacht getauft wurden, werden hier ermutigt, durchzuhalten und den Anfeindungen und Versuchungen der Umwelt nicht nachzugeben! Denn neben mangelnder Religionsfreiheit gab es ja auch noch andere Probleme im römischen Weltstaat, soziale Ungleichgewichte in der Gemeinde z.B., wie das Zusammenleben von Freien und Leibeigenen. Vielleicht mag auch hier manche Hoffnung auf Besserung der persönlichen Situation im Alltag nach dem Beitritt zur Gemeinde, also nach der Taufe, sich in Luft aufgelöst haben. Das Leben ist ja zu allen Zeiten durch verschiedene Ebenen gekennzeichnet. Wir leben immer in 'verschiedenen Ringen', privat und öffentlich, physisch und emotional. Der Verfasser in apostolischer Nachfolge will deshalb die ganze Gemeinde, aber besonders die Neuen trösten und (er)mahnen.

Und wie gelänge ihm dies besser, als wie er es tut, indem er auf Jesus Christus hinweist als unseren guten Hirten. Denn wer zum Glauben gekommen ist, nennt sich Christ und hat sich schon je von Jesus beeindrucken lassen, seinem Leben und Leiden, seiner Geduld und Klugheit, seiner Barmherzigkeit und vor allem durch sein Kreuzes-Schicksal, in das er sich demütig ergeben hat. Nie hat Jesus die Hand erhoben gegen jemanden. Außer einigen umgestürzten Tischen im Tempel sind keine Übergriffe von seiner Hand ausgehend berichtet. Im Gegenteil heißt es in der Bergpredigt von ihm: „Wenn jemand dir auf die rechte Wange schlägt, so halte ihm auch die andere hin.“ (Mt. 6,39)

Zur Zeit leben wir in ganz besonderer Zeit, von Covid-19 beherrschten. Diese Virus-Epidemie birgt die Gefahr in sich, dass unsere demokratischen Grundrechte längere Zeit ausgesetzt werden müssen wie die Reisefreiheit und Versammlungsfreiheit. Auch die Wirtschaft könnte auf allen Ebenen schweren Schaden nehmen.. Die Geduld aller Bürgerinnen und Bürger, gleich welcher Konfession und Religion, gleich welchen Berufes, wird schwer geprüft. Gerade die letzten sog. 'Lockerungen' im Wirtschaftsleben führen dazu, dass Unruhe, Ungeduld, ja auch Neid auftreten, nach dem Motto: „Warum die und noch nicht wir?“ Dabei war gerade noch die Einsicht aller Beteiligten da, dass es darum geht, die Welt, wie wir sie kennen, zu schützen, unsere Lebensformen, die Familien, die wir lieben, die Gruppen und Kreise, in denen wir leben. Und auch den Wohlstand, den wir gewohnt sind...Aber, wenn es (wirtschaftlich) eng wird, wird der Ton rauher. Sollte er aber nicht, denn „er hat euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr nachfolgen sollt seinen Fußstapfen“!

Es ist nicht einfach, Geduld zu beweisen, sicherlich. Wir alle, die in unseren gewohnten Arbeitsabläufen noch aufgehalten werden, könnten uns doch auch selbst etwas zum Infektionsschutz überlegen und wieder loslegen... Ja, das wollen wir, und wir werden es auch, aber so, dass wir unsere anderen Werte nicht aus dem Auge verlieren, den Schutz des Lebens zuerst und auch all' die anderen Werte. In der Mitte der 10 Gebote, so sagt Fulbert Steffensky, steht das Gebot „Du sollst nicht töten“, besser ausgedrückt: „Du sollst das Leben, das Gott gegeben hat, schützen!“ Was das heißt, haben wir immer wieder neu zu bedenken und auszulegen. Wenn wir in diesen Zeiten wirklich nicht alles richtig machen können, d.h. in wahrgenommener Verantwortung und Entscheidung je und je auch schuldig werden, so bleibt uns der Trost von Jesus Christus. Er hat diese Sünden, so ruft es uns der Verfasser zu, schon auf das Holz hinaufgetragen.

Martin Luther pflegte sich in schwierigen Zeiten „Du bist getauft!“ mit Kreide auf den Arbeitstisch zu schreiben. Ich denke, das ist eine gute Form, die Erinnerung an das Heilwerden in Christo für sich festzuhalten. Denn durch seine Wunden seid Ihr heil geworden! Lasst uns diese Gnade annehmen und in unserem Leben auch Spuren davon hinterlassen. Amen.

Pfr.in Stefanie Pensing


Lied: EG 644, Selig seid ihr:

Selig seid ihr wenn ihr einfach lebt. Selig seid ihr, wenn ihr Lasten tragt. Selig seid ihr, wenn ihr lieben lernt. Selig seid ihr, wenn ihr Güte wagt. Selig seid ihr, wenn ihr Leiden merkt. Selig seid ihr, wenn ihr ehrlich bleibt. Selig seid ihr, wenn ihr Frieden macht. Selig seid ihr, wenn ihr Unrecht spürt.“ (F. K. Barth und P. Horst 1979, Melodie: Peter Janssens, 1979)

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Der Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

Der erste Sonntag nach Ostern hatte eine feste Bedeutung in der altkirchlichen Tauftradition. An diesem Tag legten neugetaufte Christinnen und Christen die weißen Kleider wieder ab, die sie seit der Osternacht getragen hatten. Es ist möglich, dass der katholische Name „Weißer Sonntag“ auf diesen Brauch zurückgeht. So hat der Sonntag Quasimodogeniti, dessen Name sich nach den ersten Worten des Eingangspsalms richtet, seit der Urkirche etwas mit Mündigkeit im Glauben zu tun – genau wie die Konfirmation.

Aber was macht die Mündigkeit im Glauben aus? Eine Gewissheit, eine Sicherheit, eine Zuversicht, ein Festhalten an dem, was überliefert ist, was mir erzählt, ja im Unterricht beigebracht wurde?

Ist das Glauben?

Die Texte des Sonntags, allen voran das Evangelium vom sogenannten ungläubigen Thomas, bietet einen anderen Gedanken an: Der Auferstandene kommt mir mit all meinen Fragen und in all meinem Zweifel entgegen, ich darf ihm begegnen, er streckt mir seine Hände entgegen und ermutigt mich: „Sei nicht ungläubig, sondern glaube auch gegen den Augenschein. Denn ich bin da!“

Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petr 1, 3)

Wochenlied: Mit Freuden zart (EG 108)

Predigt zum 1. Sonntag nach Ostern 2020 (Quasimodogeniti) – Johannes 20, 24-29 –

von Pastor i.R. Oskar Greven

Berühre mich – aber fass mich nicht an!“ Das war vor kurzem auf der Titelseite einer christlichen Zeitschrift (Publik-Forum) zu lesen und als Überschrift eines Essays zur Coronakrise. Genial zusammengefasst: wir möchten und brauchen zur Zeit beides: Vorsicht und Rücksicht im Kontakt miteinander und doch zugleich auch innere Nähe und Verbundenheit. „Berühre mich – aber fass mich nicht an!“ Genau dieser doppelte Wunsch schwingt auffallenderweise auch in vielen Ostergeschichten mit, die wir in diesen Wochen nach Ostern aus der Bibel hören und bedenken.

Da ist Maria Magdalena, die den Leichnam Jesu sucht, zu seinem Grab geht und dann plötzlich vor Jesus, dem Auferstandenen, steht, den sie zuerst noch für den Gärtner hält. Als er sie dann aber bei ihrem Namen nennt, erkennt sie ihn und streckt die Hände nach ihm aus. „Rühre mich nicht an!“ ruft Jesus ihr zu, „denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater“.                      

Da sind die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus, die dem Auferstandenen begegnen, und ihn zuerst ebenfalls nicht erkennen. Aber als er dann mit ihnen zu Tisch sitzt und das Brot bricht, bitten sie ihn: „Herr, bleibe bei uns!“ Doch „er verschwand vor ihnen“.

Und jetzt ist da Thomas, der nicht glauben kann, was die anderen ihm erzählen: „Wir haben den Herrn gesehen“. Nein, antwortet er ihnen: „Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich`s nicht glauben.“ Plötzlich steht Jesus, der Auferstandene, auch vor ihm und lädt ihn, seine Hand in seine Seite zu legen, damit er glauben kann, dass er es ist.

Aber das braucht Thomas nun nicht mehr. Nicht mit seinen Händen, sondern mit dem Innersten seines Herzens versteht und glaubt er: Ja, Jesus lebt! Als er ans Kreuz geschlagen wurde, sind wir aus Angst geflohen. Aber sie haben ihn nicht wirklich töten können. Er lebt, ich kann seine Nähe spüren, seine Kraft, seine Liebe – so wie früher, nein, noch viel mehr und viel stärker!

Unsere Hände wollen berühren, wollen begreifen, wollen festhalten – von Kindesbeinen an; denn wir brauchen Nähe und Stütze unser Leben lang. Aber es gibt da auch eine Grenze: unsere Hände müssen es lernen, in bestimmten Situationen und zu einer bestimmten Zeit andere loszulassen und freizugeben, Abstand zu halten und zu warten – um anderen Freiheit und Freiraum zu geben, oder eben auch, um uns selbst und andere zu schützen in Gefahrenzeiten wie jetzt in der Coronakrise. Das kann wehtun, das fällt oft gar nicht leicht, aber wir erfahren dabei, wie wir auch auf andere Weise Nähe, Schutz und Stütze schenken und empfangen können.

Thomas hat wie die anderen Jünger durch die Begegnung mit dem Auferstandenen erfahren: nun beginnt eine neue Zeit! Wie lange waren wir daran gewöhnt, dass er uns den Weg zeigte, dass er uns den Willen Gottes erklärte, dass er Menschen aus ihren Ängsten herausführte und ihre Verletzungen heilte. Wie wohltuend war für uns und für sie seine Berührung, seine Kraft, seine Liebe. Aber jetzt wächst diese Kraft und diese Liebe in uns selber, Er lässt sie in uns wachsen, Er lässt uns erwachsen werden, damit wir andere stärken und heilen können.

„Quasimodogeniti“ heißt dieser erste Sonntag nach Ostern; auf Deutsch: „wie die neugeborenen Kinder“ - so sollen und dürfen wir sein durch das neue Leben in und mit Jesus Christus, dem Auferstandenen. Jetzt ist die Zeit für eine wunderbare Verwandlung, viele Auferstehungen, heilsame Begegnungen mit Ihm und mit unseren Mitmenschen! Wir werden gesucht und besucht von dem, der seinen Auferstehungsweg mit, in und durch uns weitergehen will. Eine neue Zeit ist da, mit und nach Corona, aber noch viel mehr: mit und nach Ostern. Auferstehung, Aufstehen für das Leben!

Pastor Oskar Greven, Soest-Enkesen, 14.4.2020

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Video-Andachten von Karfreitag bis Ostern

Die Video-Andacht zum Ostersonntag sehen Sie hier:

https://youtu.be/QValFOMGu0c

„Er ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Wir laden Sie ganz herzlich zu unseren digitalen Andachten ein: Auferstehungsandacht auf dem Friedhof in Bad Sassendorf und Osterandacht in der Kirche Sst. Simon und Judas Thaddäus in Bad Sassendorf. Leitung: Pfarrerin Stefanie Pensing

Die Video-Andacht zur Osternacht sehen Sie hier

https://www.youtube.com/watch?v=h8N8aMRieRA

Osternacht St.-Urbanus zu Weslarn

Die Video-Andacht zum Karfreitag sehen Sie hier:

https://youtu.be/hgGqGLMvpsw

"Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." (Joh 3,1)

Andacht zum Karfreitag aus der evangelischen Zwölf Apostel Kirche in Möhnesee-Körbecke ein. Liturg: Pfarrer Dietrich Woesthof.

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