ZOOM-Gottesdienst in der Region

Zoom-Gottesdienst aus der Möhnesee-Gemeinde

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Hoffnungsworte auf Musik-CD

Hoffnungsworte auf Musik-CD

Diese CD mit Musikstücken und Bibeltexten aus der Region „Zwischen Lippe und Möhne“ liegt in den beiden Dorfkirchen aus und kann auch im Geschäftszimmer während der üblichen Offnungszeiten abgeholt werden. 

Die evangelischen Kirchengemeinden östlich von Soest bilden eine gemeinsame Region mit ungefähr 9000 Gemeindegliedern, die miteinander kooperieren. Sie bewahren Traditionelles und versuchen gemeinsam Neues wie zum Beispiel die Veröffentlichung der CD: „Damit Ihr Hoffnung  habt. Musik und Lesungen.“ Es wird um eine Spende gebeten, die in den Opferstöcken der Kirchen deponiert werden kann.

Texte und Andachten in der Zeit ohne Gottesdienste

Predigten ab Karfreitag und zur Osterzeit

Entpflichtungsgottesdienst von Pfarrer Dietrich Woesthoff in den Kirchengemeinden Neuengeseke und Körbecke am 11.04.2021

Predigt zum Sonntag Quasimodogeniti, 11.04.2021 - auch zum Herunterladen

Predigt zum Ostersonntag, 04.04.2021 - auch zum Herunterladen

Video-Andacht zu Ostern 2021

Predigt zu Karfreitag, 02.04.2021 - auch zum Herunterladen

 

Predigten zur Passionszeit

Predigt zum Palmsonntag 2021 - auch zum Herunterladen

Predigt zur 2. Passionsandacht; Donnerstag, 25.03.2021 - auch zum Herunterladen

Predigt zur 1. Passionsandacht; Donnerstag, 18.03.2021 - auch zum Herunterladen

Predigt zum Sonntag Lätare, 14.03.2021

aus dem Schiefen Turm zum Herunterladen

Predigt zum Sonntag Sexuagesimä, 07.03.2021 - auch zum Herunterladen

Predigt zum Sonntag Reminiscere, 28.02.2021

aus dem Schiefen Turm zum Herunterladen

Predigt zum Sonntag Invokavit, 21.02.2021 - auch zum Herunterladen

und eine Predigt aus dem Schiefen Turm zum Herunterladen

Predigt zum Sonntag Estomihi, 14.02.202 - auch zum Herunterladen

und eine Predigt aus dem Schiefen Turm zum Herunterladen

Predigt zum Sonntag Sexagesimae, 7.02.202 - auch zum Herunterladen

Video-Gottesdienst unter dem Motto: „Lass wachsen!“ zum Sonntag Sexuagesimae

 

Auslegung der Jahreslosung 2021 - auch zum Herunterladen

 

Hier sehen Sie das Neue Presbyterium

Hören Sie 12 Orgelstücke und sehen Sie ein

Video "8 Achtsame Minuten" mit Orgelmusik aus Sst. Simon und Judas-Thaddäus.

Predigt zu Quasimodogeniti, 11.04.2021

Predigt zu Quasimodogeniti, 11.04.2021

Text : Joh 20, 19 - 29   (Thomas)

 

Liebe Leserin, lieber Leser !

Der Name unseres Sonntags Quasimodogeniti bedeutet "wie die neugeborenen Kinder." Das Motto stammt aus einem Vers des 1. Petrusbriefes (2, 2). Wie die neugeborenen Kinder nach der Milch trachten sollen die Christen nach Lauterkeit etc. streben. Sie sollen alles Falsche ablegen. Sie sollen wie neugeboren sein, ohne irgendetwas Belastendes. Das Alte soll vergangen sein, das Neue soll werden.

 

Das Osterfest ist vorbei, das Kirchenjahr geht weiter. Die Ferien sind zu Ende, das Virus ist noch da. Wird Schule wieder nur online sein? Wie wird es werden, jetzt nach dem zweiten Osterfest unter Bedingungen der Pandemie? Ich selber spüre so langsam auch eine gewisse Verunsicherung, wie ich die ganze Lage beurteilen möchte.

Aber wie sieht es denn wirklich mit der Erneuerung aus Ostern aus? Wo ist sie? Es ist doch (leider) alles beim Alten geblieben. Eher ist es noch schlimmer geworden - es reicht ganz vielen Menschen - Das Leben hat so viel von der Freude verloren.

Große Erlebnisse, wie sie von den Emmausjüngern berichtet worden, sind uns nicht vergönnt. Wir leben in der Zeit fast 2000 Jahre nach dem 1. Ostern. Ich frage mich, wie es Menschen so kurz nach Ostern des Jahres um 33 n. Chr. erging.

Von den Emmausjüngern haben wir ja schon oft gehört. Die Begegnung mit dem Fremden, dem Auferstandenen, blieb nicht ohne Folgen. Diese Menschen sind verändert worden, sie waren aus ihrem Trübsinn herausgerissen worden.

Allerdings ging das nicht bei allen so schnell. Heute steht einer im Mittelpunkt, der seine Probleme  mit der Botschaft von der Auferstehung hat, Thomas.

Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die anderen Jünger zu ihm: "Wir haben den Herrn gesehen". Er aber sprach zu ihnen : "Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben."

Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus , als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht "Friede sei mit euch."

Danach spricht er zu Thomas:"Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortet und sprach zu ihm: "Mein Herr und mein Gott!" Spricht Jesus zu ihm:"Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! "

 

Wie soll man Thomas bezeichnen? Bekannt ist er ja als der ungläubige Thomas. Aber damit wird  Unrecht getan: Er glaubte letztendlich doch! Nur verlässt er sich nicht auf die Erzählungen der anderen Jünger. (Fake news?) Nur wenn er mit seinen eigenen Augen gesehen hat, wenn er den Auferstanden berührt hat, will er glauben. (Faktencheck!)

Der Mann hat recht. Schließlich will er nur das haben, was die anderen Jünger auch schon erhalten haben. Die anderen haben Jesus gesehen - nur er nicht. Die anderen glaubten auch erst nach dem sie Jesus gesehen hatten! Warum sollte Thomas nur auf ihr Wort hören! Konnte man in den Zeiten des großen Durcheinanders irgendjemandem trauen? Also lieber vorsichtig sein und nicht jedem Bericht vertrauen. (Das kommt irgendwie bekannt vor ...)

Wir tun Thomas unrecht, wenn wir ihn den Ungläubigen nennen! Sicher, Jesus sagt ihm, dass es besser ist zu glauben ohne zu sehen. Aber das ist kein Vorwurf an Thomas, sondern eine Ankündigung für die Menschen, die weit nach Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten leben, und die nicht die Chance haben, Jesus zu sehen. Die Jünger und auch Thomas hatten das Glück in der Zeit Jesu zu leben. Aber mal ganz ehrlich: wer von uns wollte schon in der Zeit gelebt haben?

Thomas hatte also allen Grund einen leibhaftigen Beweis der Auferstehung zu verlangen. Er stand ihm einfach zu.

Wer aber war dieser Thomas, den wir leichthin den Ungläubigen nennen?

Viel von Thomas steht nicht in der Bibel. Im Calwer Bibellexikon finde ich auf der Sp. 1339 "THOMAS vom Aramäischen her gedeutet "Zwilling" war der Name eines in allen Listen der Apostel  genannten  Jüngers  Jesu  Mt 10,3; Mk 3,18; Lk 6,15; Apg 1,13. Das vierte Evangelium zeigt das Ringen des T. um den Glauben an Jesus Jo 11,16; 14,5; 20,24.25  bis die Begegnung mit dem Auferstandenen ihm die Gewissheit des Glaubens gewährt Jo 20,26-28.

Die späteren Lebensschicksale sind legendär überliefert; die "Thomaschristen" führen den Ursprung ihrer Kirche auf eine Missionstätigkeit des Thomas in Indien zurück."

Das ist es auch schon alles, was im Bibellexikon über Thomas zu finden ist. Thomas gehört also zu den Jüngern, die nicht besonders auffielen. Kein vorlauter Petrus, kein verräterischer Judas, kein Herrenbruder Jakobus. Thomas war nur ein kleines Licht. Da er aber so wenig erwähnt wird nennt das Lexikon immerhin die Bibelstellen an denen das so ist.

Die Stellen bei Mk, Mt, Lk und Apg zählen Thomas neben anderen Jüngern auf. Das sind die Apostellisten.

Die beiden Stellen im Johannes-Evangelium zeigen Thomas von einer nachdenklichen Seite (Joh 11,16):"Da sprach Thomas der Zwilling genannt wird, zu den Jüngern: Lasst uns mit ihm gehen, dass wir mit ihm sterben."

(Joh 14,5f) "Spricht Thomas zu ihm: Herr, wir wissen nicht wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen?

Jesus spricht zu ihm Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben» niemand kommt zum Vater denn durch mich."

So ist Thomas. Er fragt, wenn er etwas nicht versteht. Er ist neugierig, er möchte es genau wissen. Vielleicht hat dieses ihm schon komische Blicke von Seiten der anderen Jünger eingebracht. Was will der bloß?  Der fragt immer nach. Der blickt nicht durch. Der zweifelt ja. Der fragt dem Meister noch Löcher in den Bauch.

Vielleicht war auch ihnen die Rede ihres Meisters manchmal unverständlich, aber sie trauten sich nicht zu fragen. Thomas ist ein Frager. Aber ist Thomas ein Zweifler?

Die Auferstehung konnte er nicht verstehen, wie sie niemand verstanden hatte.

Die Jünger erzählen, dass Jesus bei ihnen war und ausgerechnet da fehlte Thomas. Sie erzählten, wie sie seine Wunden gesehen hätten, wie er sie gegrüßt und gesendet hatte.

So sehr Thomas den Wunsch verspürt, dass Jesus leben möchte, so wenig schenkt er den Worten Glauben. "Solange ich ihn nicht selbst gesehen haben, solange glaube ich nicht, dass er lebt." Es sollte noch 8 Tage dauern, bis die Ungewissheit beseitigt sein wird. Eine Woche des Grüblers und Überlegens muss noch vergehen. Nach einer Woche ist der Zweifel weggefegt. Thomas sieht den Herrn "Mein Herr und mein Gott" bekennt er. Da ist keine Spur des Unglaubens, da ist tiefer Glaube. Thomas war wohl der letzte, der IHN von Angesicht zu Angesicht gesehen hat.  Alle, die nachher kommen, müssen glauben, ohne dass sie sehen.

Das gilt für uns!!! Wir sind jetzt die, die glauben, ohne zu sehen. Wir sind eine Gemeinde von Glaubenden und Zweifelnden. Wir sind eine Gemeinde aus Petrus und Thomas und Judas und anderen.

Wir haben nicht die Möglichkeit auf die Erscheinung des Auferstandenen zu warten. Wir kennen  den gekreuzigten Christus, der steht uns in vielen Kirchen vor Augen. Daher  bleibt eine Spannung zwischen Kreuzigung und Auferstehung. Eigentlich müsste das Kreuz ja leer sein!! Wir verkündigen das Wort von der Auferstehung, haben aber oft den gekreuzigten vor Augen.

Wir müssen glauben ohne zu sehen. Wir müssen auf das Wort vertrauen, dass uns immer wieder überliefert worden ist. Wir stützen uns auf das Wort, auf das sich letztlich unsere Kirche gründet "Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!"

Was können wir nun aber von dem fragenden, zweifelnden und glaubenden Thomas lernen?

Vielleicht zunächst dieses, dass es auch bei uns offene Fragen gibt die uns noch nicht beantwortet worden sind. Fragen die wir stellen dürfen und müssen. Da gibt es Millionen von Christen auf der Welt, die einen Gott haben - und doch bekämpfen sie sich.

Da gibt es die Botschaft des Friedens und der Freiheit in der Bibel und dieses wird mit Krieg verbreitet.

Wieso gibt es Leid auf der Welt? Wieso kann unser Gott der ein Gott der Liebe ist so viel Ungerechtigkeit Leid und Tod zulassen? Wieso tut er nichts, dass die Menschen sich ändern?

Und warum dürfen die Christen der christlichen Kirchen, nicht gemeinsam das Abendmahl feiern? Vertritt der „Stellvertreter“ wirklich die Meinung seines Herren?

Wie kann ich Gewissheit bekommen, dass ich nicht einer großen Enttäuschung aufsitze? Wie kann erfahren, dass er wirklich lebt?

Wie können Christen mit der Globalisierung, der Arbeitslosigkeit, der schreienden Ungerechtigkeit umgehen?

Warum ist dieses Virus so stark geworden? Es gibt Menschen, die darin eine Strafe Gottes sehen. Und immer mehr zweifeln an den Entscheidungen der Regierungen, die oft Freiheiten ankündigen und doch Einschränkungen bringen und auch Existenzen gefährden.

 

Schnelle Antworten sind nicht so wichtig, vielmehr müssen wir lernen, diese Fragen zuzulassen, erlauben, dass sie gestellt werden. Schnelle Antworten sind nicht verlangt, sondern das Gespräch darüber. Zweifel gehört zum Glauben.

Zweifel wird erst dann schädlich, wenn uns verboten wird zu zweifeln. Zweifel kann doch erst dann ausgeräumt werden, wenn er geäußert wird. Mut zum Zweifel führt zum Mut zum Glauben. Zweifel ist nicht was den Glauben verhindert, sondern ihn fördert. Luther zweifelte an dem ungnädigen Gott und fand in langer Suche den gnädigen Gott.

Thomas zweifelte an dem Auferstandenen und erhielt schließlich die absolute Gewissheit, dass Jesus wirklich lebt. Durch den Zweifel zum Glauben.

Thomas der Zweifler, der Frager, zeigt uns einen Weg zum Glauben. Durch den Zweifel zur Gewissheit. Durch die Frage zur Antwort. Diesen Weg weist uns Thomas.

Christen ist auch nicht alles klar. Sie haben Fragen und Zweifel. Das kann sie sympathisch und mitmenschlich machen. Sie können aus ihrer eigenen Erfahrung auf Fragen eines zweifelnden Mitmenschen zugehen. Sie können ein offenes Ohr für ihre Mitmenschen haben.

Für Thomas entstand durch seine Zweifel etwas Neues. Für die Jünger und letztlich für uns wird Neues immer dann, wenn wir zusammen einen Gottesdienst feiern- und sei es digital, analog oder hybrid (wie das auch immer gehen mag).

Wir können alle unsere Zweifel und Fragen vor Gott bringen. Gott wird zwar nicht alles sofort klären, aber uns werden Schwestern und Brüder gezeigt, die uns in unsern Fragen ernst nehmen und mit uns eine Antwort suchen. Wir sind dann eine Gemeinschaft von Sicheren und Unsicheren, von Glaubenden und Zweifelnden. Aber alle sind zum Glauben eingeladen.

Vater im Himmel. du hast deinen Sohn auferweckt, um der Welt deinen Sieg über den Tod zu zeigen. Aber selbst denen, die nachfolgen wollen fällt der Glaube schwer. Gib du uns Schwestern und Brüder, die mit uns zweifeln und mit uns den Glauben finden. Amen.

 

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht

 

Pfarrer Dietmar Gröning-Niehaus

Predigt zum Ostersonntag 2021

Predigt zum Ostersonntag 2021

Johannes 20, 11-18 und Exodus 14-15

 

Liebe Gemeinde, 

wir sehen ein alltägliches Bild, eine Frau am Grab. Wie viele Frauen und Männer werden heute oder morgen an Ostern ans Grab ihrer verstorbenen Lieben treten und den frischen Grabschmuck neu ordnen? Eine neue Kerze aufs Grab stellen und einen bunten, österlichen Blumengruß auf die Erde legen? Viele Menschen werden es tun. Ein alltägliches Bild. Und ist das Grab noch jung, so werden viele von ihnen die Welt durch einen Schleier von Tränen wahrnehmen. Die Trauer wird ihre Augen ‚gehalten sein‘ lassen!

          So erging es auch Maria von Magdala am Tag nach der Grablege ihres Freundes und Lehrers Jesus von Nazareth. Der Johannesevangelist erzählt uns davon: Eine Frau wird aus Liebe an den Ort der Abschiednahme getrieben. Und es scheint so zu sein, wie für viele andere in diesen Tagen: Sie kann nicht Abschied nehmen, da der Leichnam nicht mehr da ist! Wohl gibt es kein Hindernis mehr, der Stein ist weggewälzt, aber der Leib ist nicht mehr da. Zwei andere, in weißen Gewändern sind dort. Und sie haben nur eine Frage: „Frau, was weinst Du?“ Als wäre es nicht das Natürlichste von der Welt, zu weinen, wenn man einen geliebten Menschen verloren hat. Nun hat sie noch den Ort verloren, das Grab verloren, sie hat gar nichts mehr! „Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ (Joh 20, 13)

          Das ist der absolute Nullpunkt, die Leere, Ohnmacht die Begegnung mit der Sinnlosigkeit. Niemand wünscht sich, so einen Moment zu erleben. Aber es wird beinahe niemandem erspart im Laufe des Lebens… Warum ist sie dort nicht erstarrt und untröstlich geworden für ihr ganzes weiteres Leben? Warum sie sich wohl umwendet und die Lebenswende sieht, die auf sie wartet? Wer weiß es? Vielleicht spürt sie einen Impuls: Dort ist jemand, spricht jemand neu zu ihr, auch wenn er die gleichen Worte sagt: „Frau, was weinst du?“ „Frau, wen suchst Du?“ Sie meint, es ist der Gärtner und will Auskunft über den Verbleib des Toten. „Wenn Du ihn weggetragen hast, so sage mir doch, wo du ihn hingelegt hast?“

          Wer sich an die Rituale der Trauer gewöhnt hat, wird von ihnen nicht so schnell lassen können. Sie haben ja auch etwas Tröstliches. Für die Menschen früher waren es die Dinge, die sie für den Leichnam selbst tun konnten, wie waschen, salben, anziehen und aufbahren. Für uns Zeitgenossen verlagert sich dies mehr auf die Bestattungsfeierlichkeiten und die Gräberkultur. Und doch ist auch das schon wieder im Wandel begriffen, selbst ohne Corona und seine Auswirkungen mit zu bedenken. Wie gut für eine Trauernde/einen Trauernden, wenn sie oder er ihren Rhythmus gefunden haben: Wie oft gehe ich zum Grab, wie lange verweile ich… Da ist es nicht leicht zu hören, wenn ein anderes sagt: „Ach, Du gehst schon wieder zum Friedhof?“ Dann spürt man Druck und denkt, da soll ich also loslassen, noch einmal loslassen? Andere schaffen das doch auch? Warum nicht auch ich?

          Aber Maria kann nichts trösten außer die Begegnung mit dem Auferstandenen selbst. Und genau die wird ihr geschenkt. Den, den sie gerade noch für den Gärtner gehalten hat, mit von Tränen verschleierten Augen, der ruft sie mit Namen, so wie früher und doch ganz anders! „Maria“, sagt er nur, und daran erkennt sie ihn, an Blick und Stimme, am Namen, der ihr selbst gilt! Und ihre Antwort kommt frei: „Rabbuni“, das heißt „mein lieber Meister!“ Nun weiß, sie wo er ist: Hier und bei ihr, ganz in der Nähe, im Garten des Ostermorgens, lebendig. Zum Greifen nah!

          Und nichts täte sie lieber als ihn anzufassen, ihm in die Arme zu fallen, sich von ihm halten zu lassen, herumwirbeln zu lassen, aus Lebensfreude zu tanzen,  hier mitten auf dem Friedhof inmitten der Gräber! Ach wie schön wäre das?! Aber so, so soll es nicht sein. Das Erkennen und Getröstetwerden ist da, ja, er ist es, er lebt! –  aber sie kann ihn trotzdem nicht festhalten! Wir lernen daraus: Nicht alles im Leben ist Entwicklung, manchmal geht Geschichte, auch unsere Geschichte, in Sprüngen, wie es in dem Liedvers heißt:

 

„Mein Herze geht in Sprüngen und kann nicht traurig sein,

ist voller Freud und Singen, sieht lauter Sonnenschein.

Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ;

das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.“ (EG 351,5)

 

Aus der Klage wird ein Reigen. Aus der Wolke bricht der helle Sonnenstrahl, aus der kalten Erde keimt neues Leben, aus dem tränenüberströmten Gesicht bricht sich ein Lächeln Bahn! So kann es sein, so wird es sein. So ist Ostern! „Jesus lebt, mit ihm auch ich!“ (EG 115), das ist die Erkenntnis, die Maria ereilt. Der Meister hat eine Botschaft für uns: „Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ (Johannes 14,19) Das ist nicht die generöse Geste eines an Lebensgütern Reichen, der ein paar Brotkrumen fallen lässt für die minder bemittelten und und minder begüterten. Nein, das ist im Angesicht des leeren Grabes und der absoluten Ohnmacht die Erkenntnis, dass Neues und Gutes auf mich zukommt. Neues Leben und neue Lebensmöglichkeiten! Ob und wie ich sie ergreife, ist in die Verantwortung der Einzelnen gestellt! Maria von Magdala wurde bei der ersten Begegnung mit Jesus von Dämonen geheilt, daher rührt ihre Anhänglichkeit und Liebe zu ihrem Meister (Lukas 8,2). Aber hier am Grab nun könnte sie sich neu verloren gehen indem sie versinkt in den gebahnten Wegen tiefster untröstlicher Trauer. Auch sie kann nach einem Menschen greifen wie ein Dämon. Doch die Kraft der Auferstehung ist stärker! Sie macht Maria frei. Das erlösende Wort, ihr Name, der Anruf ihres Herrn – auferstanden und mitten im Leben – der wendet ihren Blick, ihren Körper und Geist in eine neue Richtung: In die Richtung der Brüder und Schwestern. Denn, da sie Zeugin seiner Auferstehung ist, soll sie diese gute Nachricht auch weitergeben. „Geh aber zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater zu meinem Gott und eurem Gott.“ (Joh 20, 17.f)

          „Jesus lebt! Mit ihm auch wir!“ (EG 115, 1) Das ist die Botschaft, die sie mitnimmt. Und damit sagt sie auch: Wir haben eine neue Zukunft! Er lebt, mit ihm auch wir! Wir haben noch so viel zu tun! Wir müssen von ihm erzählen, seine Geschichte und ihren Ausgang, wir müssen die Brüder und Schwestern sammeln und die Hoffnung wachhalten!

          Und genau das geschieht auch. Es ist die Geschichte von gebahnten Wegen der Trauer, die in eine neue Zukunft münden. In eine neue Freiheit. Verantwortete Freiheit, Neue Freiheit. Annette Kurschus, die Präses unserer Westfälischen Kirche, schrieb in Chrismon zu Ostern in unserer gegenwärtigen Situation: „Spätestens hier verstummt meine kleine Sehnsucht, es möge doch wieder werden wie früher. Das wird es nicht. Es tut weh, mir das einzugestehen. Es schmerzt eine ganze Gesellschaft, sich das klarzumachen. Aber es ist notwendig: aufmerksam, vorbehaltlos und mutig in den Blick zu nehmen, wie es anders weitergehen kann und soll und was nicht weitergehen darf wie bisher. (…) Christen in aller Welt feiern dieser Tage den Sieg des Lebens über den Tod. Womöglich verstehen wir dieses Jahr besser und tiefer als je zuvor: Ostern ist kein Märchen, in dem wir aus einem bösen Traum aufwachen zum „Immer so weiter.“ Ostern ist der Anfang und das Versprechen von etwas wirklich Neuem.“ (Chrismon 04/2021,S. 10)

          Die Erfahrung nahezu aller Menschen nach einem Todesfall in der Familie ist: Es kann nicht so weitergehen wie zuvor! Das Leben der Andern muss sich ändern, um weitergehen zu können. Nach 70.000 und mehr Todesfällen in unserem Land kann es auch nicht so weitergehen wie zuvor. Diese Erkenntnis ist schmerzhaft für uns als Gesellschaft,  als Kirchengemeinde und als Einzelne.

          Noch sehen wir das Neue nur vage. Noch sind unsere Augen gehalten von Trauer und gebunden durch den schwankenden Kampf gegen die Pandemie. Aber die Botschaft, das eine Wort ist uns gesprochen: „Maria, – ich lebe und Du sollst auch leben!“ Meinen Sie, liebe Gemeinde, es ist ein Zufall, dass die Schwester des Mose, die nach überstandener Todesgefahr die Pauke schlägt, Miriam heißt und die Mutter Jesu auch und die erste Zeugin der Auferstehung ebenfalls? Nein, diese Zufälle ziehen eine helle Spur des Sinns nach sich, der bedeutet: Ostern, Einspruch des Lebens gegen den Tod – Ostern, Aufstand der Freude gegen das Leid. Ostern, Sehnsucht nach Veränderung in den herrschenden Verhältnissen!

          Ostern heißt gegen allen Augenschein auch Freiheit, neue Freiheit, die in Verantwortung gelebt wird. Selbst wenn wir noch einmal einen harten Lockdown erleben werden, so ist das Wort der Freude und Hoffnung schon gesprochen. Es wird nicht mehr zurück genommen:

 

Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben! Amen. 

 

 

Bad Sassendorf, den 04.04.2021                               Pfarrerin Stefanie Pensing

Video-Andacht zu Ostern 2021

Video-Andacht zu Ostern 2021       Einfach hier anklicken

Da auch Ostern 2021 wegen hoher Inzidenzwerte keine Präsenz-Gottesdienste gefeiert werden können, hat sich ein Team aus Ehrenamtlichen unter der Leitung von Pfarrerin Stefanie Pensing und Peter Uhl daran gemacht, eine Video-Andacht für Ostern aufzuzeichnen.

Drehorte sind die Lohner und die Bad Sassendorfer Kirche.

Die musikalische Begleitung besteht aus einer kleinen Gruppe Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Barbara Bartsch, das Posaunenquartett mit André Hintz und Organist Gunter Preibisch.

Predigt zum Karfreitag 2021

Predigt zum Karfreitag 2021

Text: Jes.53,3-5

Liebe Gemeinde,

noch gilt in unseren Breitengraden die Zeitrechnung vor Christus und nach Christus.

Im Fluss der Zeit markiert das Kreuz, das die Römer als ihr blutiges Tagesgeschäft auf dem Hügel Golgatha aufgestellt hatten, die Zeitenwende.

So ist nun für jeden unter uns seit dem ersten Karfreitag Wendezeit.

Die Zeit nach Christus darf für uns moderne Zeitgenossen eine Zeit mit Christus, durch Christus und für Christus werden.

Damit dies für uns konkret und anschaulich wird, lassen sie uns nun miteinander hinaufgehen nach Golgatha und dort eine Zeit verweilen.

Hier auf Golgatha gibt es ja ganz unterschiedliche Leute. Diejenigen, die froh sind ihn endlich los zu sein und sich voller Spott ihrer Macht erfreuen. Aber es sind auch andere vor Ort, die die himmelschreiende Ungerechtigkeit kaum ertragen können. Denen das Herz schwer wird angesichts eines vermeintlich sinnlosen Justizmordes.

 Besonders interessant ein römischer Offizier, der während seines Dienstes von Gott überrascht wird. Wie viele Hinrichtungen mag er schon durchgeführt haben? Diese Hinrichtung des Zimmermanns Sohnes aus Nazareth sprengt jeglichen gewohnten Rahmen.

Ein Erdbeben, Gräber, die sich auftun und der Vorhang im Tempel, der mitten entzweireißt.

Das ist dem römischen Offizier göttlicher Anschauungsunterricht und Beweis genug.

Er kann nur noch aus tiefstem Herzen bekennen: wahrlich dieser ist Gottes Sohn gewesen.

In diesem schlichten Satz ist alles gesagt. Gottes Sohn hängt dort am Kreuz.

Hat die Welt jemals so etwas Einmaliges erlebt?

Vorher nicht und nachher nicht, weil das Kreuz für Zeit und Ewigkeit gilt.

 Heute im Jahr 2021 nach Christus, wer wird uns pandemiegeplagten Erdenbürgern auf dem Hügel Golgatha begegnen?

 Ein Abschnitt aus Jes.53, einem der sogenannten Gottesknechtslieder, kann uns zum geistlichen Verständnis helfen.

Jes.53,3: Er war der Allerverachtetste und Unwertetste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

 4 Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

5 Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen.

Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Wen sehen wir, wenn wir am Kreuz emporschauen? Ein Bild des Jammers, einen Menschen, der entstellt ist, ein menschliches Wrack. Gleichzeitig zerschlagen von der Sünde und vom Zorn Gottes. Wie er möchte niemand von uns enden. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, das trifft auch auf Jesus zu. Vor Augen steht ein im höchsten Maße leidender Mensch.

 Er hatte sich in Bezug auf die Obrigkeit ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt und dann machten sie kurzen Prozess mit ihm.

Das System hat sich bis zum heutigen Tag für die Mächtigen dieser Welt bewährt. Wer uns nicht in den Kram passt, den schaffen wir aus dem Weg.

Auch das Volk heult mit den Wölfen und skandiert auf die Frage, ob Jesus oder Barabbas freigelassen werden sollte, lautstark „Barabbas, Barabbas.“ Das ist ein Stich mitten in das Herz von Jesus.

Ganz aktuell sehen wir eine Parallele in Myanmar. Auch hier immer neue Beschuldigungen gegen die Präsidentin.

Menschen ausradieren, von der Bildfläche verschwinden lassen um des eigenen Vorteils willen, war und ist ein Wesenszug des Menschen. Da hat sich nichts gebessert seit der Zeit der Römer mit ihrer perfiden Methode der Kreuzigung.

Also wir sehen zuerst einmal ein unschuldiges Opfer am Kreuz. „Wir haben ihn für nichts geachtet“ heißt es im Predigttext. Für so ein armes Würstchen, dem man nur ohnmächtig beim Sterben zusehen kann, haben wir ihn gehalten.

„Wir hielten ihn für den, der geplagt und von Gott gemartert wäre“ heißt es weiter in V.4.

Da haben wir ihn wieder den Tun-Ergehen-Zusammenhang im jüdischen Denken.

Der Gekreuzigte muss etwas auf dem Kerbholz haben, andernfalls würde er nicht bestraft werden.

 Die Strafe ist nicht nur eine Strafe, die ein weltliches Gericht oder ein einzelner Machthaber verhängt. Nach damaligem Denken ist der Bestrafte auch bei Gott „unten durch“. Er hat es sich mit Gott verscherzt, ist bei ihm in Ungnade gefallen.

Aber für uns sind ja die rechtlichen Fragen nicht so sehr von Bedeutung als vielmehr die geistliche Tragweite des Kreuzes.

Wozu das ganze menschenverachtende, blutige Werk dienen soll, wird uns nun durch den Propheten Jesaja in unser Stammbuch geschrieben: „Fürwahr er trug unsere Krankheit u. lud auf sich unsere Schmerzen.“

So kann nur Jesus handeln: deine Not ist ab sofort meine Not, dein Unglück ist mein Unglück.

Keine menschliche Mutter und sei sie noch so liebevoll vermag sich z.B. an Stelle ihres Sohnes in dessen Rollstuhl zu setzen.

Das ist göttliches Eingreifen, was hier am Kreuz geschieht. Gott tauscht mit dem Menschen die Rolle: „wegen unserer Vergehen wurde er durchbohrt, wegen unserer Verfehlungen zerschlagen“, heißt es in V.5.

Der Mensch kann sich Gott gegenüber nicht alles erlauben. Es passt nicht mit Gottes Gerechtigkeit zusammen, wenn wir uns einbildeten, dass wir tun und lassen können wie es uns beliebt.

So stellen wir uns über Gott und machen aus ihm einen bedeutungslosen Götzen, dessen einzige Aufgabe es ist, uns zu dienen.

Recht behalten wollen und eine gewisse Besserwisserei Gott gegenüber ist schon so alt wie die Menschheit selbst.

„Sollte Gott gesagt haben?“ diese 4 Worte der Schlange an Eva in dem Bericht vom Sündenfall verfolgen uns bis zum heutigen Tag. Der fatale Satz ist höchstens noch etwas verfeinert worden und könnte nun lauten: „sollte Gott überhaupt existieren“?

Oder wenn der Mensch ganz und gar kurzen Prozess mit Gott machen möchte lautet der Satz so: “Gott? Gibt es nicht!“

Gott lässt sich allerdings nicht von uns Menschen tot ignorieren. Er lebt in Ewigkeit, ganz unabhängig von unserer Position ihm gegenüber. Wir haben gar nicht die Befugnis, über Gottes Existenz oder seine Nicht-Existenz zu urteilen.

Nur durch das Kreuz und das leere Grab wird der lebendige Gott für uns sichtbar. Es gibt keinen anderen Weg mit Gott in Verbindung zu treten.

Gott hat das Gericht bereits an seinem Sohn vollzogen, so dass es uns nicht mehr mit voller Wucht trifft.

 Die durchbohrten Hände sind der Beweis, für die Wunde in seiner Seite sind wir verantwortlich.

Mir hilft ein Vergleich weiter, um zu ahnen, was das Kreuz für eine wichtige Bedeutung für diese Welt hat.

Als Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte und schon den Altar gebaut hatte, kam im letzten Moment noch ein Widder, der anstelle von Issak geopfert wurde. (Siehe 1.Mose 22)

Bei Gott ist das anders. Er opfert seinen Sohn Jesus, fügt sich selbst tiefen Schmerz zu, weil er keinen anderen Weg sieht, um uns Menschenkinder, eitle Sünder, wieder für sich zu gewinnen.

Gott hat sich das Liebste vom Herzen gerissen, um uns zu retten. Er hat sich selbst dem Schmerz in seiner ganzen Tiefe ausgeliefert.

Die Heilandsschultern von Jesus haben die schwere Last der Sünde getragen.

Und das Ergebnis des Karfreitages?

Es steht auch schon als Verheißung beim Propheten Jes.: „auf dass wir Frieden hätten und durch seine Wunden sind wir geheilt“ heißt es im Predigttext.

Hier verwirklicht sich nun das, was auch bei der Geburt von Jesus schon den Hirten in der Nähe von Bethlehem von den Engeln in Aussicht gestellt worden war: Friede auf Erden.

Es ist dieser himmlische Friede, von Jesus durch Schweiß und Blut in großer Not erwirkt, der uns in Ewigkeit mit Gott versöhnt und somit mit ihm vereint und zu Gottes Kindern werden lässt.

Der tiefe Graben zwischen uns und Gott, den wir durch unsere Sünde immer wieder aufreißen, wird durch das Kreuz überwunden.

Wodurch könnten wir denn heil werden, wenn nicht allein durch seine Wunden?

Am Kreuz wird Jesus für uns zum Heiland.

Ja, er ist unser Blutsbruder, wie wir sehr schön auf diesem Kreuzigungsbild sehen können.

Im Tod verhilft er uns zum Leben.

 

Es ist noch immer die starke Hand des Gottessohnes, die den Tod überwindet.

In diese Hand darfst auch Du Deine mitunter zitternde Hand legen, damit er Dich führen kann, seinen Weg führen kann.

Und wissen Sie, was das Schönste ist? Heute ist die Zeit nach Christus vor Christus. Wie das, mögen Sie sich fragen?

 

Ja, der auferstandene Herr kommt wieder, welch ein Tag der Erleichterung und Dankbarkeit steht uns bevor.

Er, der uns aus dem Sumpf der Sünde gezogen hat, wird unsere Hand in Ewigkeit nicht loslassen.

 

Gebet:

Herr Jesus Christus,

seit du für uns gestorben bist, kann jeder Tag ein neuer Anfang sein und jeder Abend endet bei dir.

Weil du unsere Schmerzen zu deinen Schmerzen machst, werden wir getröstet und sind voll Dank.

Lass uns bei dir bleiben in Zeit und Ewigkeit.

Amen.

 

Einen nachdenklichen Karfreitag wünscht Ihnen mit Segensgrüßen

 

Ihre Pfr.in Brigitte Kölling

Predigt zu Palmsonntag 2021

Predigt zu Palmsonntag 2021

Hebräerbrief, Kapitel 11, 1 in drei Bibelübersetzungen:

    Der Glaube ist ein Festhalten an dem, worauf man hofft – ein Überzeugtsein von Dingen, die nicht sichtbar sind. (BasisBibel)

   Es ist der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Luther 2017).

   Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst. (Gute Nachricht)

  

Liebe Gemeinde,

es ist Palmsonntag 2021, wieder ein Palmsonntag, an dem kein Gottesdienst gefeiert wird in unserer Gemeinde. Die Gefahren durch die Corona-Pandemie sind einfach zu groß. Die sogenannten Inzidenzien in unserer kleinen Gemeinde sind zu hoch. Viele Familien sind an diesem Wochenende von der Krankheit betroffen, junge Leute, vielleicht auch ältere und Kinder. Wir denken an sie und hoffen, dass sie alle leichte Verläufe in der Krankheit haben werden! Aber der Schock in den Einrichtungen und in den Familien ist sicher groß. Alle Betroffenen werden in Gedanken sicher die letzten Tage und Begegnungen durchgegangen sein, wen habe ich wann gesehen, könnte ich schon infiziert gewesen sein, als ich z.B. Oma und Opa traf? Dieses Forschen und Nachdenken ist anstrengend, es tut weh, weil es Angst macht. Der Zweifel ist jetzt ständiger Begleiter, wie geht es wohl weiter, was kommt noch auf uns zu? Die Angst ist groß und schnell ist man auch mit gegenseitigen Schuldzuweisungen bei der Sache: „Ich habe Dir doch gesagt, dass das gefährlich ist, Mutter!“ sagt der Sohn, der weiter weg wohnt, zur alten Mutter am Telefon, die doch nur ausgeholfen hat beim Babysitten in dieser schwierigen Zeit. Seine Schwester, ihre Tochter, ist nun mal alleinerziehend, da kann sie auf die Unterstützung der Mutter/Großmutter für ihr Kind nicht verzichten! So viel Kummer, so viele Vorwürfe, so viele Ängste! Was kann uns helfen, darüber hinweg zu kommen?

            Nun, ich bin Pfarrerin, und ich weiß, dass je der Glaube helfen kann. In den schlimmsten und in den schönsten Situationen des Lebens! Der Verfasser des Hebräerbriefs zählt im 11. und 12. Kapitel ganz viele Menschen auf, denen der Glaube geholfen hat, und er fängt bei den ältesten Personen der Bibel an, nein, nicht Adam und Eva, aber gleich bei zweien aus der nächsten Generation: Kain und Abel. Und auch Noah kommt vor, weil er aus Glauben und Vertrauen zu Gott die Arche baute, als die anderen Menschen ihn noch auslachten. Besonders hervorgehoben wird der älteste Emigrant der Bibel, Abraham, der zum Stammvater des jüdischen Volkes und auch zu unserem christlichen Glaubensvorbild wurde. Vater Abraham ist ein Fremdling gewesen im Land der Verheißung, heißt es. Er war es, der sich auf das Wort seines Gottes hin aufmacht, um seine alte Heimat zu verlassen und eine neue Heimat für sich und seine Familie zu finden. Die Verheißung an ihn war groß, aber der Weg war weit und die Gefahren waren vielfältig. Und dann geht der Verfasser sie alle durch, die großen Namen des Alten Testaments, und er muss sagen, dass es so viele sind, dass die Zeit nicht reichen wird, von all den Gottgläubigen zu erzählen. Er deutet auch die christlichen Märtyrer an in seiner Zeit und er weiß sich mit ihnen geeint, auch wenn seine Gemeinde noch keine solchen Gefahren zu erleiden hatte.

            Und doch will er seine Gemeinde fest machen im Glauben und Vertrauen. Man könnte sogar sagen: „Glauben heißt Vertrauen“ beim Verfasser des Hebräerbriefs. Er fühlt sich bestärkt und getröstet von der „Wolke der Zeugen“, die um ihn ist. Ihm vorausgegangen und sobald er seine Gedanken gen Himmel schickt: Über ihm. Auch wenn er sie nicht sehen kann, so weiß er sie‚ unter sich, über sich und um sich‘. So wie man den Geist Gottes, den Heiligen Geist, über sich, unter sich und um sich herum wirksam spüren kann, wie es in einem berühmten irischen Segen heißt.

            Was ist der Glaube? Der Glaube ist ein festes Vertrauen auf eine unsichtbare, aber wirkliche Wirklichkeit, in der wir geborgen und erlöst sind, egal welche Gefahren uns begegnen. Im Falle der Menschen, die jetzt Angst vor der Ansteckung und Krankheit haben, ist es das Vertrauen, dass Gott uns nicht fallen lässt, sondern mit uns auf allen, auch schweren Wegen ist, und dass er uns trägt, wo unser Fuß nicht mehr gehen kann! Wenn wir in Todesgefahr geraten und das Fieber steigt, müssen uns andere tragen und helfen. Da brauchen wir viel Vertrauen, dass uns die ÄrztInnen und PflegerInnen auch helfen können. Aber auch Gott ist dabei und hilft mit!

            Der Glauben hilft ebenfalls, er hilft auch, mögliche Schuld und die dazu gehörigen Gefühle, zu überwinden. Selbst wenn irgendein Verhalten riskant war, so hat es doch niemand gewollt, dass er einen anderen ansteckt! Da sind wir Menschen manchmal ganz schön penibel und auch hartherzig, so wie der Sohn, von dem ich erzählt habe, der mit seiner kranken Mutter schimpft. Aber sie wollte doch nur das Gute für die Familie; und auch die Tochter wollte doch nichts Schlechtes, als sie die Hilfe annahm…Da muss nun wirklich Vergebung und Erlösung in diese schicksalhaften Schuldverstrickung hineinkommen, damit sich die Menschen der Familie auch jenseits der körperlichen Beschwerden wieder heilsam begegnen können! Hoffen wir also auf die Kraft der Liebe, die in allem einen Weg findet! Denn so wichtig ja der Glaube und das Vertrauen sind, so ist er doch nicht allein zu denken, Paulus hat es uns ins Stammbuch geschrieben: „Nun aber bleiben Glauben, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ 1. Korinther 13,13.

            Am Palmsonntag hören wir also vom Glauben als Vertrauen, der in der Anfechtung des Zweifels, die Kraft hat, zu überwinden und die Hoffnung auf Besserung wachhält. Lasst uns die Hoffnung, die Liebe und den Glauben festhalten! Amen.  (Stefanie Pensing, Pfarrerin) 

 

Der Herr sei vor dir,

um dir den rechten Weg zu zeigen.

Der Herr sei neben dir,

um dich in die Arme zu schließen

und dich zu schützen.

Der Herr sei hinter dir, um dich zu bewahren

vor der Heimtücke böser Menschen.

Der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen,

wenn du fällst und dich aus der Schlinge zu ziehen.

Der Herr sei in dir, um dich zu trösten,

wenn du traurig bist.

Der Herr sei um dich herum,

um dich zu verteidigen,

wenn andere über dich herfallen wollen.

Der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

So segne dich der gütige Gott! Amen.

(Irischer Segenswunsch)

Passionsandacht für Zuhause; Donnerstag, 25.03.2021

Passionsandacht für Zuhause, Ev.KG Bad Sassendorf, 25.03.2021

Musik

Lied: Herr, Stärke mich, dein Leiden zu bedenken, EG 91, 1 - 5 

Eingangsvotum:

P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.G. Amen

P:Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, G: der Himmel und Erde gemacht hat.

P: Der Herr sei mit Euch. G: und mit deinem Geist

 

Liebe Gemeinde,

Passionszeit, Passionsandacht in Coronazeiten. Keine gemeinsame Andacht in der Kirche – was liegt da näher, als den Blick aufs Kreuz zu richten? Auf die Kreuze, die Menschen in ihrem Leben zu tragen haben. Das Bild, auf das wir heute schauen heißt „Kreuz im Büro“.

 

Vorspruch: Dietrich Bonhoeffer verdanken wir folgende Worte:

 

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,

flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,

Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.

So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

 

Menschen gehen zu Gott in seiner Not,

finden ihn arm, geschmäht, ohn Obdach und Brot,

sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.

Christen stehen bei Gott in seinem Leiden.

 

Gott geht zu allen Menschen in Ihrer Not,

sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot.

Stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,

und vergibt ihnen beiden. 

 

Psalm 43,3.5

Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten

und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung.

Was betrübst du dich meine Seele,

und bist so unruhig in mir?

Harre auf Gott: Denn ich werde ihm noch danken,

dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

 

Lied: Holz auf Jesu Schulter , EG 97

Markus 15, 20b -22.24

Und sie führten Jesus hinaus, dass sie ihn kreuzigten.

Und zwangen einen, der vorüberging, Simon von

Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und

des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage. Und sie

brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt:

Schädelstätte. Und sie kreuzigten ihn.

 

Liebe Gemeinde,

eigentlich hat sie mit diesen Menschen nichts zu tun. Sie begegnet ihnen nur am Telefon hier im Callcenter der Krankenkasse. Sie sitzt hier am Schreibtisch und soll einfach nur ihre Arbeit machen: die relevanten Informationen erfragen, professionell Auskunft geben, gemäß den Richtlinien und Grenzen, was bewilligt werden kann und was nicht. Und dann „Tschüss, auf Wiedersehen, ich hoffe, Sie waren mit dem Gespräch zufrieden“. Aber heute gelingt ihr das nicht. Die Geschichte der jungen Mutter, die Krebs hat, und eine neue Therapie genehmigt haben möchte, geht ihr nahe. Ihre eigene Mutter war an Krebs gestorben. Die Erinnerungen kommen hoch. Und da ist sie mittendrin und beschließt: Hier kann und will sie nicht einfach nur professionell sein, hier will und muss sie helfen, auch wenn sie damit Richtlinien überschreitet, auch wenn es später mit dem Chef Ärger gibt. Jeden Tag kommen hier die Leidensgeschichten der Kranken auf den Tisch — zwischen den Telefonen und Computern, der Kaffeetasse und der Topfpflanze, dem Smalltalk in der Pause und dem Bürotratsch.

Ob die Schreibtische absichtlich als Kreuz aufgestellt wurden? Und ob die jeweiligen Glastrennwände zum Nachbarschreibtisch schon an Corona erinnern sollten? Wohl kaum, aber es passt. Jeder Mensch, der hier anruft, hat sein Kreuz zu tragen: die jungen Mädchen mit Essstörung, die Unfallopfer, die chronisch Kranken, die alten Menschen, die immer mehr Beschwerden haben. Viele haben niemanden, der ihnen zuhört und hilft.

Wer hat schon die Kraft und die Lust, immer nur hinzuschauen auf das Leid? Jung, gesund und fit muss man sein, um dazuzugehören. Krankheit und Tod sollen lieber im Verborgenen bleiben. Und manches ist einfach auch unerträglich.

Das war zu Jesu Zeiten wohl nicht anders. Als Jesus schon verhaftet und verurteilt war, soll er von römischen Soldaten zum Kreuzigungsplatz gebracht werden. Er wird durch die Gassen Jerusalems geführt. Manche Menschen weiden sich an seinem Unglück und Leid, andere schauen beschämt weg. Aber da begegnet ihm ein Mensch. Das Markusevangelium erzählt in einem einzigen Satz von dieser Begegnung: Und sie zwangen einen, der vorüberging, Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage. (Markus 15,21)

Eigentlich hatte Simon von Kyrene mit Jesus nichts zu tun. Er kam zufällig vorbei. Vor den großen Feiertagen war immer noch so viel zu erledigen. An den römischen Soldaten geht er lieber schnell vorbei und an dem Verurteilten, den sie da vor sich hertreiben auch. Dessen Schicksal ist sowieso besiegelt. Für den kann niemand mehr etwas tun. Der wird am Kreuz sterben. Nicht hinschauen, schnell weiter!

Aber heute gelingt Simon von Kyrene das Ausweichen und Wegducken nicht. Einer der Soldaten spricht ihn an: Hey du, kommt her. Trag du das Kreuz! Der kann nicht mehr! Und da muss Simon von Kyrene hinschauen: Auf Jesus: geschlagen, verspottet, mit einer Dornenkrone auf dem Kopf, voll Blut, am Ende seiner Kräfte. Er muss das schwere Kreuz, an dem Jesus sterben soll, anschauen und anfassen. Plötzlich steht er an der Seite dieses geschundenen, dem Tode geweihten Gottessohnes und trägt sein Kreuz. Wegschauen unmöglich!

Jesu Leid geschah in der Öffentlichkeit, er trug sein Kreuz vor den Augen der Menschen. Manche hatten sicherlich Mitleid, die Masse aber schrie: „Kreuzige ihn!“ Sein Kreuz konnte jeder sehen, musste jeder sehen, und Simon von Kyrene musste es sogar tragen.

Die Schreibtische auf dem Bild bilden ein verborgenes Kreuz, das man nur sieht, wenn man von oben drauf schaut. Das Kreuz fällt gar nicht auf und doch ist es da und trägt die Leidensgeschichten aus den Telefonen und E-Mails. Das Leid der Menschen liegt oft im Verborgenen. Viele tragen ihr Kreuz heimlich. Sie sitzen in den Büros, stehen in den Geschäften, Werkstätten und Produktionshallen und tun, als ob nichts wäre. Doch die Gedanken sind woanders: Beim nächsten Arzttermin, beim kranken Kind, bei den Sorgen um den Arbeitsplatz, bei den Schwierigkeiten mit den Eltern. Bei den Schreckensmeldungen und Toten der weltweiten Corona-Pandemie und bei der Angst, sich selbst anzustecken. Die Kreuze dieser Welt werden heimlich getragen in Rucksäcken und Handtaschen.

Manchmal aber, da kann man nicht wegschauen, da drängt sich das Leid einfach auf. Da begegnen einem die Kreuze einfach auf der Straße oder am Schreibtisch und konfrontieren einen mit der Not dieser Welt. Dann wird klar, wie schnell alles anders werden kann, wie nah Gesundheit und Krankheit zusammenliegen, wie schnell ein Leben zu Ende gehen kann, wie in einer Minute aus Glück Unglück werden kann.

Jesu Leid fordert heraus, hinzuschauen, wo es schlimm ist, und anzupacken, wo es weh tut.

Aber Jesu Kreuz macht auch Mut, unsere Kreuze nicht zu verstecken. Niemand muss sich schämen für sein Leid.

Und vor allem: Jesu Geschichte zeig, dass die Kreuze dieser Welt  nicht die letzte Wort haben. Das Leid am Kreuz ist Ostern überwunden worden. Jesus Christus ist auferstanden. So ist das Kreuz für uns das Hoffnungszeichen, dass das Leid ein Ende haben wird.

Möge uns das in diesen schweren Coronazeiten eine große Stärkung und Hilfe sein. Amen

 

 

Lied: Korn, das in die Erde, EG 98

 

Vater – Unser

 

Segen:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.

Musik

 

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Herzliche Grüße

 

Ihre J. Kröger, Pfrin

Passionsandacht für Zuhause; Donnerstag, 18.03.2021

Passionsandacht für Zuhause; Donnerstag, 18.03.2021

Musik

Lied: Herr, Stärke mich, dein Leiden zu bedenken, EG 91, 1 - 5 

Eingangsvotum:

P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.G. Amen

P: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, G: der Himmel und Erde gemacht hat.

P: Der Herr sei mit Euch. G: und mit deinem Geist

 

Liebe Gemeinde,

Passionszeit, Passionsandacht in Coronazeiten. Keine gemeinsame Andacht in der Kirche – was liegt da näher, als den Blick auf`s Kreuz zu richten? Auf die Kreuze, die Menschen in ihrem Leben zu tragen haben. Das Bild, auf das wir heute schauen heißt „Kreuz im Museum“.

 

Vorspruch: Dietrich Bonhoeffer verdanken wir folgende Worte:

 

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,

flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,

Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.

So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

 

Menschen gehen zu Gott in seiner Not,

finden ihn arm, geschmäht, ohn Obdach und Brot,

sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.

Christen stehen bei Gott in seinem Leiden.

 

Gott geht zu allen Menschen in Ihrer Not,

sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot,

Stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod ,

und vergibt ihnen beiden. 

 

Psalm 84,6.7.12

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten

und von Herzen dir nachwandeln!

Wenn sie durchs tiefe Tal ziehen,

wird es ihnen zum Quellgrund,

und Frühregen hüllt es in Segen.

Denn Gott der Herr ist Sonne und Schild;

Der Herr gibt Gnade und Ehre.

Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.    Amen

 

Lied: Holz auf Jesu Schulter , EG 97

 

Lukas 23, 33-49

Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König. Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da antwortete der Andere, wies ihn zurecht und sprach: Fürchtest du nicht einmal Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Und es war schon um die sechste Stunde. und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er. Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen! Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.

Liebe Gemeinde!

Eine Kunstführung in einem Museum der bildenden Kunst. Ganz unterschiedliche Personen haben sich zu einer Gruppe zusammengefunden und lassen sich Bilder verschiedener Künstler erklären. Sie gehen gemeinsam durch die Ausstellung und bleiben immer wieder vor einem Bild stehen. In einem der Räume hängt eine moderne Darstellung der Kreuzigung Christi. Monumental nimmt es eine der weißen Wände ein. Eine Mitarbeiterin des Museums erklärt: “Hier sehen sie das im Jahr 1890 entstandene Werk ´Die Kreuzigung Christi' des Leipziger Künstlers Max Klinger. Man beachte die fünf nackten Körper auf der rechten Seite des Bildes, die in der damaligen Zeit einen geradezu skandalösen voyeuristischen Einblick erlaubten. Klinger beklagte das Auseinanderfallen von unbekleideter Antike und bekleidetem Christentum." Mehr ist nicht zu sagen. Die Zeit drängt. Schon geht die Gruppe weiter zum nächsten Bild.

Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles. (Lk 23,49).

Die fern vom Kreuz stehen, kommen in aller Regel schlecht weg. Gerade ist Jesus gekreuzigt worden und mit ihm die beiden Verbrecher zur Rechten und zur Linken. Die römischen Soldaten würfeln um seine Kleider und verspotten ihn. Sie kennen ihn nicht, lesen nur über dem Kreuz, was er angeblich sein soll: Der König der Juden. Doch die, die ihn wirklich kennen, die mit ihm gegangen waren und mit ihm gelebt haben, die seine Geschichten und Reden gehört und seine Wundertaten gesehen haben, die mit ihm gegessen und getrunken haben, die stehen nun abseits vom Kreuz. Er hat ihnen Hoffnung und Mut gegeben, sie angenommen und ihnen den Vater im Himmel gezeigt. Müssten sie ihm jetzt nicht wenigstens in der Stunde seines Todes beistehen?  Aber: Wer könnte es ihnen verdenken? Dieses Ende hat keiner von ihnen erwartet. Dabei wird sicher auch Angst eine Rolle gespielt haben, die Angst, ebenfalls in Verdacht zu geraten und genauso zu enden wie Jesus. Angst schafft Distanz. Distanz löst aber auch die Kreuzigung selbst aus. Kritiker sagen, das Kreuz sei eine Provokation, eine ungeheure Zumutung. Sie verweigern sich einem Gott, der seinen Sohn in den sicheren Tod schickt. Da ist zu viel Leid, zu viel Grausamkeit, zu viel Blut. Das ist kaum auszuhalten. Sie möchten das nicht sehen. Sie gehen auf Distanz.

Es ist merkwürdig, aber in einem Museum lässt sich anscheinend ertragen, was sich anderenorts nicht mehr ertragen lässt. Solche Kreuzesdarstellungen haben keinen Ort mehr in der Welt vieler Menschen. In einem Museum werden sie aus ihrem religiösen Kontext genommen und damit werden sie weit weniger anstößig. In einem Museum stehen wir vor dem Bildnis einer Kreuzigung und reflektieren aus sicherer Distanz über die künstlerische Umsetzung des Themas, über den Maler und das Werk. Und wir versuchen dabei zu ergründen, was uns der Künstler sagen wollte, welcher Sinn darin liegt. Eine solche Distanz ist manchmal nötig, um einen neuen Blick für die Sache zu bekommen. Auch die Bekannten Jesu stehen zwar abseits, aber sie wenden ihren Blick nicht ab, sondern schauen genau hin.

Die Gruppe der Kunstinteressierten geht weiter zum nächsten Bild. Eine ältere Dame mit lilafarbener Jacke und schwarzer Tasche bleibt zurück. Sie setzt sich dem Bild gegenüber auf die hölzerne Bank. Niemand sonst ist mir ihr mehr im Raum. Nur sie und das Bild. Etwas verschämt blicken wir auf die Szene. Wir betrachten, wie eine Frau ein Bild betrachtet. Wir betrachten das Betrachten. Auch das hat etwas von Voyeurismus. Allerdings können wir nicht an ihrem Gesicht ablesen, was sie beim Anblick dieses Bildes empfindet: Abscheu vor der Kreuzigung oder Bewunderung über die künstlerische Darstellung oder etwas ganz anderes. Sie kann nicht mehr fernstehen und weitergehen wie die anderen. Sie muss sich setzen und genau hinschauen.

Da ist etwas, das sie angesprochen und berührt hat. Vielleicht ist es wirklich der Gegensatz zwischen den Bekleideten auf der linken und den Nackten auf der rechten Seite des Bildes. Der Heiland der Welt ganz entkleidet, all seiner Würde beraubt, elend, nackt und bloß. Aber dieses Mal nicht, wie wir das so gerne hören und besingen, am Heiligen Abend: „Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein, er liegt dort elend, nackt und bloß, in einem Krippelein." Vielleicht ist sie angerührt von der Nacktheit des Gekreuzigten Christus, der alles wehrlos mit sich machen lässt, der alles erträgt und erleidet.

Vielleicht fällt ihr Blick auf die Gruppe in der Mitte: die Fernstehenden, die gar nicht so fern stehen. Es sind zwei Frauen und zwei Männer. Während die eine der beiden Frauen dem Geschehen in stiller Ergriffenheit beiwohnt, bricht die andere der beiden Frauen in Verzweiflung über den Verlust eines geliebten Menschen zusammen. Maria, die Mutter Jesu, und Maria Magdalena, die spätere Zeugin der Auferstehung Jesu.

Die Frau auf der Bank, so will es uns die Perspektive der Fotografie zeigen, ist irgendwo dazwischen, zwischen den beiden Frauen. Sie ist längst nicht mehr die ferne Betrachterin des Kunstwerks, sondern mitten im Geschehen. Sie ist zu einer der Frauen vor dem Kreuz geworden.

Wo stehe ich vor dem Kreuz? Ganz links, bei den Bekleideten, die immer schon eine Schutzhülle um sich herum aufgebaut haben und die nichts an sich herankommen lassen? Die schauen dem Treiben nun wirklich aus sicherer Distanz zu. In gewagter Lässigkeit sind sie nichts anderes als Schaulustige, denen im Grunde gleichgültig bleibt, was dort geschieht. Da ist nicht einmal Abscheu festzustellen. Oder wage ich mich doch näher heran? Wie nahe darf ich dem Kreuz kommen? Wie nahe darf das Kreuz mir kommen? Wo stehe ich vor dem Kreuz? Das ist sicher keine Frage, die sich aus dem alltäglichen Einerlei so einfach ergibt. Und keine, die sich im Vorbeigehen beantworten lässt. Es bedarf der Unterbrechung. Alle aus der Gruppe der Kunstführung standen vor dem Kreuz, aber nur eine Frau hat sich davon unterbrechen lassen.

Wo stehe ich vor dem Kreuz?

Amen

Lied: Korn, das in die Erde, EG 98

 

Vater – Unser

 

Segen:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.

Musik

 

 

Bleiben Sie behütet und gesund!

Herzliche Grüße

Ihre J. Kröger, Pfrin

Predigt zum Sonntag Sexagesimä, 07.03.2021

Ahmt Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. (…) Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Epheser 5, 1-9 mit der vorgeschlagenen Auslassung)

 

Liebe Gemeinde,

wieder haben wir im letzten Monat mehr als eine Stunde geschafft, bis der Sonnenuntergang die Nacht einläutet. Noch sind es aber über 12 Stunden Dunkelheit bis morgens um 7.00 Uhr die Sonne aufgeht. Viele Menschen empfinden den mitteleuropäischen Winter schon als große körperliche Belastung, sie geraten in die Nähe von depressiven Zuständen. Wie mag es da in Nordeuropa sein? Kürzlich stieß ich auf die Geschichte eines jungen Stockholmers. Martin Sylwan litt vor Jahren in Schweden noch an der Winterdepression. Denn schon Ende November geht die Sonne erst nach acht Uhr morgens auf und im Dezember schon vor drei Uhr nachmittags wieder unter. Wie es in Schweden durchaus üblich ist, hat ihm sein Arzt eine Lichttherapie im Krankenhaus verschrieben. Doch nach zwei Behandlungen wollte er nicht mehr. „Die Lichttherapie tat mir zwar gut, aber die Atmosphäre im Krankenhaus machte mich wieder depressiv, so steril und anonym war alles.“ Als er wieder herauskam, dachte er nach, was er tun könnte für Menschen, denen es so geht wie ihm. Und er hatte die Idee eines Lichtcafés. Ein Ort, an dem man sowohl in der Nähe der heilenden Licht-Lampen sein könnte, aber noch mehr Gutes ‚zu sich nehmen‘ könnte. Warme Getränke, leckere kleine Speisen, Gespräch und Musik. Er eröffnete das Café Iglo im Stockholmer Stadtteil Södermalm, ganz in der Nähe des Mälarsees. Die Aussicht spielt aber keine Rolle, die Fenster sind sogar mit weißen Stoffen abgehängt und Weiß ist auch die vorherrschende Farbe. Ganz ungewohnt ist es, dass die Gäste auch besondere, weiße Umhänge übergestreift bekommen, alles, damit die Wirkung der Lichtlampen verstärkt wird. Alles andere ist wie in einem normalen Café, es kommen Studenten, Hausfrauen und Manager, aber auch SeniorInnen und Freundinnen, um sich zu unterhalten oder allein zu entspannen.

          Was hat diese Geschichte mit unserem Predigttext zu tun? Nun, jemand, dem es nicht gut ging, hat einen Weg gefunden, sich und anderen zu helfen. Das muss im Falle des Martin Sylwans nicht aus christlichen Motiven heraus geschehen sein, aber das wissen wir einfach nicht. Es wäre jedenfalls auch denkbar. Dieser Mann hat auf jeden Fall einen Weg gefunden, nach seiner erfahrenen und überwundenen Depression, einen Ort zu schaffen, an dem und durch den es auch anderen besser geht. Genauso sehe ich auch die christliche Gemeinde an: Ein Lichtcafé soll sie sein! Möglichst viele kleine Lichtcafés sollen in ihr eröffnen! Und kann es ein Zufall sein, dass die Frauenhülfe, als sie damals mit Königin Victorias Ermutigung eröffnete, gleich mit einem Warmgetränk, nach Möglichkeit Kaffee(!), ihre Sitzungen begann? Nein, das kann kein Zufall sein, denn die anregende Wirkung von Kaffee und Tee ist ja bekannt! Das Gespräch wird munter, ohne anzüglich oder überschießend fröhlich zu werden, wie es mit Alkohol schnell passieren könnte. In den oben ausgelassenen Bibelversen steht ein sogenannter Lasterkatalog im 5. Kapitel. Dort werden all’ die Dinge genannt, die gerne unter dem Einfluss von feucht-fröhlichem Feiern geschehen (wie z.B. „närrischem oder losem Reden“…). Und so ist bis heute in christlichen Gemeinden der Alkohol, wenn auch nicht gänzlich verpönt, so doch in strengen Grenzen und Maßen gehalten. Kinder interessieren sich noch nicht für diese Genussmittel, sei es Kaffee oder Alkohol. Kinder können fröhlich sein ohne solche Mittel. Wenn auch ein Schlückchen Cola und ein Stück Schokolade bei ihnen ebenso gerne willkommen ist, aber sie brauchen es für ein fröhliches Spiel nicht unbedingt. Und so empfiehlt uns der biblische Autor hier die Fröhlichkeit und Wissbegierde von geliebten Kindern. Wir wissen doch alle, dass Kinder nichts lieber tun, als mit den Erwachsenen zu ‚arbeiten‘, wenn sie sich nur ernst genommen fühlen von diesen Erwachsenen. Die Liebe und das Lob der Menschen, die sie selbst lieben, ist ihnen unschätzbar wichtig! Geliebte Kinder werden lebenstüchtige und liebesfähige Erwachsene, so sind viele von uns, auch ich, überzeugt!

          So ähnlich ist es auch zwischen Gott und uns, sagt der Predigttext. Gott ist für uns alle ein Vater, ein liebender Vater. Wir sind wie die aus Heiden- und Judenchristen bestehende Gemeinde durch Jesu Leben und Sterben in dieses Kindschaftverhältnis hineingekommen. Nun sind wir darin und profitieren voll davon. Lauter Liebe und Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit kommen zu uns! Wichtige Gaben, die wir auch mit vollen Händen weitergeben sollen, Frucht bringend wie der Autor sagt. Und damit Anderen helfen, die vielleicht noch nicht wissen, wie wunderbar es ist, im Lichte und in der Liebe Gottes leben zu können! Wie geschieht das? Ganz einfach durch Freundlichkeit und Menschlichkeit, durch Hilfsangebote und Ernstnehmen! Wie bei den Kindern. Durch Einladung ins Licht-Café oder durch Einladung zum Eis vor der Eisdiele und – wenn es wieder geht – auch zur Einladung zum Kaffee in der eigenen Wohnung. Gespräch, Austausch, Beratung, das läuft dann wie ein Kinderspiel nebenher, wenn nur die Grundstimmung gut und einladend ist. Es ist schon eine schlimme Zeit, wo das Normale, das Gute, das Gespräch, so schwer zu erringen ist, manchmal gar nicht möglich ist! Die Gemeinschaft ist bedroht. Und so müssen wir wirklich die modernen Kommunikations-mittel angefangen beim Telefon bis zum Computerbildschirm mit hineinnehmen in unseren christlichen Alltag, um von der Freundlichkeit, Menschlichkeit und Barmherzigkeit Gottes zu retten und hinüberzubringen, was zu retten und hinüberzubringen ist! In eine neue Zeit, die uns versprochen ist, je schon und für immer. Amen.

                                                                               Pfarrerin Stefanie Pensing

 

EG 450: Morgenglanz der Ewigkeit, / Licht vom unerschaffenen Lichte, / schick uns diese Morgenzeit, / deine Strahlen zu Gesichte, / und vertreib durch deine Macht / unsere Nacht.

 

EG 268: Strahlen brechen viele aus einem Licht. / Unser Licht heißt Christus. / Strahlen brechen viele aus einem Licht / und wir sind eins durch ihn.

 

EG 455: Morgenlicht leuchtet, / rein wie am Anfang. / Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt. / Dank für die Lieder, Dank für den Morgen, / Dank für das Wort, dem beides entspringt.               

                                                                               

Predigt zum Sonntag Invocavit, 21.02.2021

Matthäus 4,4: Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ (5. Mose 8,3)

 

Liebe Gemeinde,

wer lange hungert, ist geprüft! Er oder sie wird fähig zu Dingen, die man niemals von sich gedacht hätte! „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist“, fasst die Werbung das in einem augenzwinkernden Spot zusammen. Stimmt. Zumindest eine gewisse Verstimmung und Reizbarkeit werden alle, die hungrig waren, schon einmal wahrgenommen haben. Nun ist es mit dem echten Fasten anders, da der Hunger nach 1-2 Tagen vergeht und Körper und Geist insgesamt lange leistungsfähig bleiben, wenn man nur genug Flüssigkeit zu sich nimmt. Aber nach 40 Tagen, da kann niemand mehr für den Zustand eines Menschen die Hand ins Feuer legen … Jedenfalls wird es keine ‚Fastenkur‘ gewesen sein, die Jesus da in der Wüste erprobte, denn dann hätte er das 40-Tage-Experiment wohl nicht überlebt. Ich interpretiere die Geschichte eher als einen selbst motivierten spirituellen Rückzug und eine Probe auf seine Leidensfähigkeit. Also wird er hin und wieder etwas gegessen haben, alles, was die Wüste bieten kann, mitgebrachte Trockenfrüchte, vielleicht Beeren und Heuschrecken? Dann bleibt aber eben auch der Hunger, der zermürbt. In Matthäus 4 wird von einer Auseinandersetzung Jesu mit dem Teufel erzählt: „Bist Du Gottes Sohn, so sprich, dass diese Steine Brot werden!“ Einer, dessen Vater der Allmächtige selbst ist, könnte versucht sein, diese Probe zu vollführen, diesen Zauberspruch zu sprechen, denn sein Hunger ist groß.

            Aber Jesus besinnt sich und antwortet mit einem Bibelvers: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht.“ (5. Mose 8,3) Ich denke, mit dem Begriff „täglichen Brot“ ist alles gemeint, was uns zu Ausstattung unserer Lebensvollzüge dienlich ist. Der kleine Katechismus Martin Luthers zählt es auf: „Alles, was nottut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut … gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit,…gute Freunde, getreue Nachbarn und dergleichen.“ Es gibt viele Stichworte darin, die heute so nottun wie zu Katharina und Martin Luthers Zeiten. Wenn Nudeln aus den Supermarktregalen in Windeseile verschwinden und auch der westfälische Pumpernickel, weil er so gut haltbar ist und nicht wegen des Geschmacks in den Keller gepackt wird, dann ist Gefahr im Verzug, dann sind viele Sicherheiten und die Zugänglichkeit zu den oben genannten Dingen brüchig oder fraglich geworden. Das höchste Gut aber ist die Gesundheit in der Liste, das wissen wir: „Gesundheit ist nicht alles“, heißt es, „aber ohne Gesundheit ist alles nichts!“ Und in der Pandemie lernen wir, wie die einfachen, grundlegenden Dinge und Wahrheiten des menschlichen Lebens unschätzbar wertvoll sind.

            Aber auch die ‚Gesundheit‘ darf uns nicht alles kosten! Wenn der eine Impfstoff zwanzigmal so teuer ist wie der andere und 446 Millionen Menschen in unserem Zuständigkeitsbereich damit geimpft werden sollen, dann muss die EU-Kommission einen Augenblick weiter verhandeln dürfen, wenn es schwierig ist, denn auch die Pharmakonzerne dürfen sich nicht mit jedem überhöhten Angebot durchsetzen! Sparsamkeit ist noch immer eine Tugend, warum also nicht auch jetzt? Was ich jedenfalls von meinen gewählten VertreterInnen verlange, ist Augenmaß zu behalten in der Planung und beim Unterschreiben von Angeboten und Verträgen! Auch verlockende Angebote können eine Versuchung sein! Wer wüsste es nicht, denn in unserer Wirtschaftsordnung lebt viel von der Verlockung/Versuchung. Immer wird der/die Einzelne entscheiden müssen: Was ist Verlockung zur Lebensfreude und was ist Versuchung zur ‚Schädigung des Lebens‘? Auch die ‚Freude am Fahren‘ ist längst mehr das, was sie mal war, also so naiv anzusehen wie noch in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts! Dies war eine Zeit, in der viele von uns aber ihre Prägung erhielten! Aber wir dürfen dazu lernen, lebenslang!

            Wenn wir Protestanten die Worte hören: „ein jedes Wort, das aus Gottes Mund geht“, dann denken wir zuerst an die Heilige Schrift beider Testamente, sodann an die Zehn Gebote, das Vaterunser und das Apostolische Glaubensbekenntnis. Nach kurzem Nachdenken fallen uns dann aber auch die anderen Worte, die Auslegungen, zum Wort Gottes ein: Heidelberger Katechismus, Kleiner und Großer Katechismus Martin Luthers, die anderen Bekenntnisschriften und last but not least, die Barmer Theologische Erklärung von 1934, die ja in ihrer 1. These zusammenfasst, worauf wir uns beziehen sollen: „Jesus Christus, (…) ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“ Und damit es konkreter wird, wohinein diese Grundthese spricht, gibt es in dieser Erklärung gleich anschließend noch die Ablehnung falscher, zeitbedingter Annahmen: „Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“ Wir wissen heute gut, was damit gemeint war. Mit Ereignissen und Mächten, waren die Machtergreifung und die Nationalsozialistische Partei und Bewegung gemeint, mit Gestalten waren die autoritären Führer und ParteigängerInnen gemeint, mit Wahrheiten waren Pseudo-Wahrheiten und Pseudo-Wissenschaftlichkeit, wie die antisemitische Rassenlehre und nationalsozialistische Weltanschauungslehre gemeint. Dies alles wurde von der Synode in Barmen damals abgelehnt, als nach und nach auf alle Teile der Gesellschaft, auch Lehre und Forschung, Kirchen und Kultur, Verwaltung und Vereinswesen mehr Druck und Zwang ausgeübt wurde, sich gleichschalten zu lassen. Sich davon ganz freizuhalten, ist nur wenigen gelungen, auch nicht allen Gemeinden und Mitgliedern der Bekennenden Kirche, aber sie haben es wenigstens versucht, indem sie für sich festhielten: Christlicher Glaube bezieht sich nur auf das Wort Gottes in der Zusammenschau beider Teile der Bibel, für uns zugänglich gemacht und aufgeschlossen durch Jesus Christus! Und so zeigt sich wieder einmal: Christlicher Glaube ist im Grunde herrschaftskritisch, er kennt sein Korrektiv, es ist „ein jedes Wort Gottes, das aus seinem Munde kommt.“ Richtschnur und Prüfung vorausgesetzt im Gewissen des/der Einzelnen und der Gemeinde.

            Und so genügt es, sich die erste Versuchung Jesu in der Wüste anzuschauen, denn in ihr stecken auch alle anderen: Die Versuchung zum ‚Brot‘ ist die Versuchung zur Mehrung des Brotes (s.a. der reiche Kornbauer, Lk 12), die Versuchung zum Sprung vom Turm ist die Versuchung zur Verantwortungslosigkeit, eine Versuchung Gottes selbst nach dem Motto: Egal, wie ich ich mich verhalte, Gott wird mich schon retten! Auch die Versuchung zur Macht steckt schon in der ersten: Denn der Teufel verspricht Jesus alle Reiche dieser Erde, wenn er nur niederfalle vor ihm. Jesus lehnt auch das ab. Wer aber ist dieser Teufel? Wenn wir in den ersten Vers schauen, Mt. 4,1, dann ist er es, der Jesus in die Wüste führt, um zu fasten. Könnte es nicht sein, dass dieser Teufel in jedem Menschen steckt, der, wie Jesus versucht, die Herausforderungen seines Lebens selbstbestimmt anzugehen? Am Anfang der Predigt meinte ich ja, Jesus sei diesen Weg aus ‚freien’ Stücken angetreten als gut gedachte Vorbereitung für seinen Weg. Die Frage ist spannend! Was denken Sie?

            Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall allen eine erfahrungsreiche Passions- und Fastenzeit (z.B. mit 7-Wochen-ohne)  und ohne allzu große Versuchungen! Und bleiben Sie gesund, getrost und behütet! Amen.

                                               Pfarrerin Stefanie Pensing zum Sonntag Invocavit, 21.02.2021

Predigt zum Sonntag "Estomihi", 14.02.2021

Liebe Gemeinde,

unser heutiger Predigttext stammt aus dem alttestamentlichen Buch des Propheten

Jesaja 58, 1 – 9:

1.       Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkünde meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!

2.       Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.

3.       „Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?“ Siehe an dem Tag, an dem Ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.

4.       Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimmen in der Höhe gehört werden soll.

5.       Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?

6.       Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

7.       Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide Ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

8.       Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.

9.       Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

 

Liebe Gemeinde,

Dein Licht wird hervorbrechen wie die Morgenröte. Gott erscheint in seiner Herrlichkeit und folgt euch! Und wenn ihr Gott um Hilfe ruft, dann sagt er: Siehe, Ich bin hier!

Welch ein wunderschönes Bild zeichnet uns der Prophet hier. Es ist ein Bild der Hoffnung in einer dunklen, schweren Zeit. Gemalt für Menschen, denen es nicht gut geht. Gemalt für Menschen, die sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden.

Wem galt dieses Hoffnungszeichen ursprünglich? Der Prophet Jesaja richtet seine Worte etwa 500 Jahre vor Christi Geburt (ca. um 2500 v. Chr.) an das Volk Israel. Nach 70 Jahren im Exil in Babylonien war es um 538 v .Chr. nach und nach in ihr eigenes Land zurückgekehrt. Doch nichts war so, wie sie es sich vorgestellt hatten. Die Lage war mehr als trostlos. Jerusalem lag in weiten Teilen in Schutt und Asche. Der Tempel, das Haus Gottes, war vom babylonischen König Nebukadnezzar und seinem Heer zerstört worden. Die heimgekehrten Israeliten sehnten sich nach einem schnellen Neuanfang. Sie wollten zurück zur Normalität. Dass hieß: Häuser wieder aufzubauen, die Stadtmauer zu befestigen, sich v.a. tiefgreifende Gedanken über den Wiederaufbau des Tempels zu machen. Und man musste Handel und Wandel betreiben. Jeder und jede versuchte über die Runden zu kommen, wobei viele unterdrückt und an den Rand gedrängt wurden. Nichts gelang wirklich und schon gar nicht schnell. Resignation und Ohnmacht breitete sich aus. Viele Menschen damals verloren ihre Hoffnung auf eine positive Zukunft. Angst machte sich breit. Die Frage nach Gott lag ihnen auf dem Herzen: Wo ist Gott gerade jetzt in dieser schweren Zeit? Warum scheint er uns so fern zu sein?

Deshalb versuchten die Israeliten sich durch fromme Übungen der Nähe Gottes zu vergewissern: „Wenn wir fasten und in Sack und Asche gehen, dann wird Gott uns gnädig sein, zu uns kommen und uns helfen“! Trotz allem blieb Gott ihnen scheinbar fern. Betrübt und laut richten sie ihre Klagen an Gott: „Warum fasten wir und du siehst es nicht an. Warum kasteien wir unseren Leib und du willst es nicht wissen?“ (Jes. 58, 3a)

Der Prophet Jesaja richtet ihnen im Auftrag Gottes Folgendes ganz deutlich und klar aus: Gottes Verheißung, seine Nähe gilt denen, die für das Recht anderer eintreten. D.h. zum Beispiel: das Brot mit den Hungrigen zu teilen; Wohnungslosen und Flüchtlingen Obdach zu gewähren; denen, die nichts haben, mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen …. Dann erscheint Gott in seiner Herrlichkeit, kommt zu euch und sagt euch: Siehe, ich bin hier!

 

Liebe Gemeinde,

Jesajas Botschaft wird uns heute gesagt und sie ist so klar, wie vor 2500 Jahren und die Not unserer Nächsten ist vielerorts heute genauso greifbar, wie damals. Und doch haben wir uns als Christen und Christinnen immer wieder bemüht und tun es heute und zukünftig, Jesajas Vorschläge in die Tat umzusetzen. Schon lange haben wir in unserer Gesellschaft vieles davon befolgt, Bedürftige versorgt, unser Brot mit den Hungrigen geteilt, viele, die auf der Flucht waren, haben wir in unserem Land aufgenommen. Zugegeben: Oft waren und sind es nur kleine Schritte gegen die große Not in der Welt, die wir getan haben und tun. Aber Jesajas Forderungen haben wir nicht außer Acht gelassen und werden sie auch zukünftig im Blick haben.

Aber, liebe Gemeinde, ich denke unser heutiger Predigttext führt uns gerade jetzt – in dieser Zeit der weltweiten Corona-Pandemie- auf eine andere Spur: Fühlen wir uns denn  nicht irgendwie ähnlich, wie die Israeliten damals? Seit ca.12 Monaten ist bei uns alles anders. Ich jedenfalls habe eine derartige Situation in meinem Leben noch nie erlebt. Ich habe es noch nie erlebt, dass es zu Ostern und zu Weihnachten keine öffentlichen Gottesdienste in der Kirche geben konnte. Ich habe es noch nie erlebt, dass strengstens empfohlen wurde, dass man keinen anderen Menschen mehr umarmen soll …. Vieles mussten wir in den letzten 12 Monaten entbehren und manchmal auch erleiden. Beispiele dafür gibt es jede Minute im Fernsehen, im Radio und v.a. im eigenen Erleben. Sicherlich klagen wir in unserem Land auf hohem Niveau. Aber so langsam macht sich bei mir ein Gefühl der Ratlosigkeit und Ohnmacht breit. Vielen von Ihnen spreche ich bestimmt aus dem Herzen. Das vielversprochene „Licht am Ende des Tunnels“, die Impfstoffe, lassen auf sich warten. Und jeden Tag sterben Menschen mit oder an Corona. Viele von uns rufen den Staat immer wieder um Hilfe. Nicht nur, dass es zur Zeit viel zu wenig Impfstoff gibt, auch die zugesagten Corona-Hilfen kommen nicht zeitnah bei denen an, die sie nötig brauchen. Vieles hat sich in unserem Leben durch Corona verändert.  Existenzen sind bedroht und viele Menschen unter uns stehen wegen Corona vor den Trümmern ihres Lebens. Mit den Sorgen um die Existenz mischt sich vielfach die Angst um unsere Kinder und Enkel, die unter den Corona-Bestimmungen am meisten leiden. Hinzu kommt, dass die Angst sich mit dem Corona-Virus und seinen Mutationen anzustecken, so dass es Leben und Tod gehen könnte, stetig zunimmt. Da kann es uns doch so gehen wie den Israeliten damals vor 2500 Jahren: Fühlen wir uns von Gott allein gelassen in dieser schweren Zeit? Ist das wirklich so, oder ist das nur unsere gefühlte Wahrnehmung?

 

Liebe Gemeinde,

lassen Sie uns gerade deshalb täglich zu Gott beten und ihm sagen, wie es um unser Herz und unsere Seele bestellt ist. Fragen wir ihn, was seine Wege für uns sind und bitten wir ihn darum, dass er uns helfen möge und dass er die ganze Welt von Corona befreit. Lassen Sie uns fest darauf vertrauen, dass das, was der Prophet Jesaja uns verheißt, sehr bald Wahrheit wird:

„Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte … und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, ich bin hier.“ (Jesaja 58, 8.9)

 

Amen

 

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.

 

 

Bleiben sie gesund und getrost!

Liebe Grüße

 

Ihre Jutta Kröger, Pfarrerin 

PREDIGT ZUM SONNTAG Sexagesimae, 07.02.2021

Predigt zum Sonntag Sexagesimae


Predigttext: Lukas 8, 4-8

 

Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen es auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten es. Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre! (Lukas 8, 4-8)

 

Liebe Gemeinde,

 

Gottes Güte und Weisheit sind wunderbar, wie ist es sonst zu erklären, dass normaler Same und normales Land hundertfach Frucht bringen können? Am Sämann und seinem Schwung kann es nicht liegen, denn der ist gewohnheitsmäßig gut und raumgreifend. Jahrtausendelang hat der Sämann, sofern er Rechtshänder war, den Samenbeutel links getragen und in weitem Schwung nach rechts ausgeholt, um sein ganzes Feld gleichmäßig mit Getreidesamen zu bestreuen. Und er tat es mit Übung und Routine, so wie der Maler Vincent van Gogh den Sämann ins Bild fasste.

          Sicher, da war auch schon einmal ein Findling mitten im Weg, an dem der Same abgleitet und keinen Halt findet. Da fällt auch manches auf die Feldränder, an denen auch die Dornen und das Unkraut wachsen, da ist vom Wind auch der eine oder andere Distelsamen aufs Feld geweht und wird mit dem Samenkorn aufgehen. Aber den Sämann kann dies nicht abhalten von seiner zukunftsstiftenden Arbeit, dem Säen der Saat!

Und übrigens war die Fruchtbarkeit des Getreides ganz anders als heute: Ein Drittel der vorherigen Ernte musste aufgewandt werden, um die nächste zu erzeugen. Das ist ein Verhältnis von 1:3! Wie muss den Menschen im Altertum, den Zuhörern von Jesus, da erst das Verhältnis von 1:100 geklungen haben? Ach das wäre ja herrlich, da wären ja alle Verluste und Sorgen vergessen, auch die Dreiviertel-Verluste des Saatguts auf Fels und unter Dornen vergessen! Das könnte man verschmerzen, wenn es nur so wäre, denn die Frucht wäre so mannigfach und reich!

          Jesus erzählt dieses Gleichnis und vermittelt auch uns damit: So ist Gott! Schaut nur, wie großzügig, ja fast verschwenderisch er ist! Wenn Gott sät, dann mit vollen Händen! Wir wissen, wie es in den folgenden Versen weitergeht. Jesus selbst klärt auf: Der Sämann ist Gott, das Land sind seine Menschen, das sind wir. Und wir – wir sind wie diese Felder von unterschiedlicher Qualität, da ein Findling und dort eine Felsplatte, frei geschubbert von der letzten Eiszeit, hier ein paar Schrullen bzw. Dornen, dort ein paar erworbene Disteln, erworben im Kontakt mit anderen Disteln, Menschen oder Ereignissen. Ein sehr gemischter Acker sind wir, nicht viele Bodenpunkte kämen da im landwirtschaftlichen Sinne zusammen. Da könnte der Sämann eigentlich gleich weiterziehen und nach besserem Land suchen! Aber das tut er nicht, er nimmt es mit uns als sehr gemischtem Lande auf! Er verschwendet sein gutes Saatgut, sein reiches Wort, auch an uns. Und siehe, auch in unseren Herzen findet er gutes Land, wir wissen nicht, wie und wo, aber Gott findet es. Der Sämann, der sein Samenkorn so verschwenderisch austeilt, findet auch in uns gutes Land, und so kann es Frucht bringen. Viel Frucht bringen.

         

Mag es so aussehen, als wäre die Wirklichkeit in unseren Gemeinden eine andere: Schrumpfung und Rückzug aus der Fläche sind die Stichworte, von denen wir uns bedroht fühlen, die uns mindestens beschäftigen. Aber diese alte Geschichte spricht dagegen:

Denn der Sämann hat immer noch seinen weiten Schwung, und ja – selbst wenn manches daneben geht – manches auf den öffentlichen Weg fällt und manches einfach von den Vögeln unter seinem Himmel aufgepickt wird, mannigfach geht es auf, hundertfach Frucht bringend. Wir wissen nicht, wann und wo, Gottes Kirche und Gemeinde jedenfalls sind heute schon weltweit ‚verstreut‘ und dadurch groß. Und nur Gott kennt die Seinen, heißt es, aber es sind viele, wer wollte bestimmen, wer nicht dazu gehörte? Überlassen wir es Dem, der die Ernte einbringt! Der Same jedenfalls geht von selbst auf, und bringt auch von selbst die Frucht, so heißt es in einem anderen Gleichnis Jesu bei Markus im 4. Kapitel!

          Aber wenn wir dies heute hören, müssen wir wissen, auch wir sind Sämänner und -frauen. Wir sind Väter und Mütter, Lehrer und Lehrerinnen unserer Kinder, Neffen, Nichten und Enkel. In diesen Tagen des Januars und Februars 2021 viele von uns in ganz wörtlichem Sinne sogar! (Homeschooling/Heimunterricht) Und wir haben damit die Aufgabe, in den uns anvertrauten Menschen die Hoffnung wach zu halten, dass es auch dieses Jahr wieder Saat und Ernte gibt, dass auch dieser lastende und bleierne Winter der Pandemie vorüber geht! Und so ist es ja auch:  Zwar braucht das Samenkorn eine ganze Weile, um in die Erde zu fallen und ‚zu vergehen‘. Und auch der Sämann weiß dann zeitweise nicht, ob die Saat aufgeht, ob sie strengen Frost wohl übersteht. Er weiß es nicht und muss doch Vertrauen haben. Eines Tages aber zeigt sich endlich der grüne Halm. Und auch dann heißt es noch: „Lass wachsen!“ Bloß nicht daran ziehen wie der ungeduldige Landmann, nicht jetzt noch einmal umgraben und alles zerstören, oder zu früh oder zu viel düngen … Einfach wachsen lassen, abwarten, hoffen und beten! Vielleicht ist dies die schwerste Aufgabe von allen! Gute und geduldige Eltern und Lehrer kennen diese Aufgabe und diese Herausforderung: Nichts tun zu können als zu warten, denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre und dann ist die Ernte da … Wenn es uns zu viel wird mit dem Zuwarten und auf Erfolg warten, dann sollen wir uns an die Großzügigkeit des Sämanns erinnern und Seine Weisheit erkennen.

 

Und genau das betont Jesus mit seinem Ausruf in Vers 8: „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ Ja Du, auch Du, bist gerufen, hundertfach Frucht zu bringen!

 

Lassen Sie mich mit einem Gesangbuchvers als Gebet schließen. Es stammt aus dem Lied: „Tut mir auf die schöne Pforte“, EG 166, 4:

 

„Mache mich zum guten Lande, / wenn dein Samkorn auf mich fällt. / Gib mir Licht in dem Verstande / und, was mir wird vorgestellt, / präge du im Herzen ein, / lass es mir zur Frucht gedeihn.“ Amen.

 

 

Predigt-Gedanken von Pfarrerin Stefanie Pensing zum Sonntag Sexagesimae, 07.02.2021

Auslegung der Jahreslosung 2021

Jahreslosung 2021: Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist. Lukas 6,36

Liebe Gemeinde,

die Jahreslosung ist dieses Jahr wunderbar kurz und gut zu merken: „Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.“ Ich möchte lieber übersetzen: „Werdet barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.“ Die Zeitform ‚Futur’ ist nämlich noch besser geeignet für das griechische Verb. Und es stimmt ja auch, denn, wenn wir schon barmherzig wären, bräuchte es Jesus uns in seiner Feldrede (dem Äquivalent zur Bergpredigt beim Evangelisten Matthäus) nicht so dringend empfehlen. Manche Menschen sind es vielleicht von sich aus, barmherzig, weil sie warmherzig veranlagt sind, andere, die strenger mit sich und der Welt unterwegs sind, müssen das noch ein bisschen üben… Gott allerdings ist es schon, barmherzig, er ist es, auf den man in seiner Barmherzigkeit trauen darf! GOTT ist barmherzig, warmherzig wie eine gute Mutter. Im Hebräischen ist die Sprachwurzel von „sich erbarmen“ sogar verwandt mit dem Wort für „Mutterschoß, Gebärmutter“. Racham bedeutet dort „sich erbarmen“, rächäm bedeutet Gebärmutter. „Neben dem Herz ist rächäm das am häufigsten erwähnte innere Organ im Ersten Testament“, heißt es in dem Buch: „Die Körpersymbolik der Bibel“ (1). Gott liebt jeden und jede vorbehaltlos wie eine Mutter ihr Kind, das ist die tiefe Bedeutung dieses sprachlichen Zusammenhangs, davon bin ich überzeugt! Im Germanischen, so las ich an anderer Stelle, musste ein Wort erst noch erfunden werden, als die ersten mittelhochdeutschen Bibelübersetzungen erstellt wurden. Das Lateinische wurde zur Brücke: Misericordia heißt das Wort da. Und das Herz und das Leidvolle, Erbärmlich-Erbarmende gingen eine wunderbare neue Bedeutung miteinander ein. Geboren war die Barmherzigkeit! Was bedeutet nun Barmherzigkeit? Barmherzigkeit lässt alles ausser acht, was gegen einen Menschen sprechen könnte: Sein Ansehen, sein Aussehen, seine Fehler, seine Armut, seine Krankheiten, sein regelbrechendes Verhalten…Barmherzigkeit geht über alles, was gegen einen Menschen sprechen könnte, hinweg und zollt ihm Respekt und Wertschätzung. Barmherzigkeit hilft dem Warmherzigen, einfach „fünfe gerade“ sein zu lassen und barmherzig zu sein. Barmherzigkeit nimmt die Schwierigen, die Bemitleidenswerten oder Aussenseiter einfach an in ihrem So-und-so-Sein.

          Nicht gerade das, was wir normalerweise mit unserer Erziehung zu Stärke, Selbstbestimmtsein und Leistung bei Kindern und Erwachsenen erreichen wollen… Für das Leben da draußen muss man stark sein, da muss man auch ein Stück weit hart werden gegen sich und andere…so lautet eine häufige innere Überzeugung vieler Menschen in unseren Welt-Gesellschaften. Wo kämen wir denn dahin, wenn wir immer gleich alles entschuldigen würden und „fünfe gerade sein ließen“, also barmherzig wären? Da draußen gibt es Regeln und Gesetze, da draußen gilt nur: Wachse oder weiche…

Liebe Gemeinde, könnte es sein, dass das Jahr 2021 eine gute Gelegenheit ist, die Barmherzigkeit neu zu lernen? Was wäre nicht schon in 2020 passiert, wenn manche Regeln der Wirtschaftspolitik nicht einfach außer Kraft gesetzt worden wären? „Ohne Arbeit kein Geld“? „Leistung muss sich lohnen“? Viele Überzeugungen von Menschen, die das Leistungsprinzip sehr hochhalten, sind erschüttert worden. LeistungsträgerInnen waren plötzlich Andere…Der Versuch, in der Wirtschafts- und Sozialpolitik Hilfen bereit zu stellen ohne Ansehen von Leistung und Person, mag zwar vielleicht nicht ganz geglückt sein und nicht für alle Berufsgruppen passend gewesen sein, aber immerhin wurde er unternommen! Und so hat auch die Sozialpolitik etwas zu tun mit dem Einfluss des Christentums in unserem Land, da bin ich sicher. Heinrich Böll schrieb 1957 in dem Buch „Was halten Sie vom Christentum?“:  „Ich überlasse es jedem Einzelnen, sich den Albtraum einer heidnischen Welt vorzustellen oder eine Welt, in der Gottlosigkeit konsequent praktiziert würde: Den Menschen in die Hände des Menschen fallen zu lassen. Selbst die allerschlechteste christliche Welt würde ich der besten heidnischen vorziehen, weil es in einer christlichen Welt Raum gibt für die, denen keine heidnische Welt je Raum gab: für Krüppel und Kranke, Alte und Schwache, und mehr noch als Raum gab für sie: Liebe für die, die der heidnischen wie der gottlosen Welt nutzlos erschienen und erscheinen. Ich glaube, dass Millionen Christen auf dieser Erde das Antlitz dieser Erde verändern könnten, und ich empfehle es der Nachdenklichkeit und der Vorstellungskraft der Zeitgenossen, sich eine Welt vorzustellen, auf der es Christus nicht gegeben hätte.

          1957 - 2021…offenbar gibt es immer noch Gründe, sich nach Jesu Vaterunser-Wort zu sehnen: „Dein Reich komme“. Wir sind noch nicht da, wir sind vielleicht noch lange mit ihm auf dem Wege, deshalb müssen wir das Werden auch noch üben. Das Innewerden z.B. biblischer Grundvokabeln wie Barmherzigkeit und barmherzig sein! Es gibt kein besseres Jahr als 2021, im 2. Jahr der Pandemie, die Barmherzigkeit neu lernen zu wollen. Wir werden sie noch brauchen für uns und andere! Wir wollen genauso wie Gott, der eine liebende Mutter ist, Liebhaber des Lebens werden, das sollte unser christliches Hauptinteresse sein. Unser Hauptaugenmerk: Was dient dem Leben, dem Leben in Natur und menschlichem Miteinander?

          Dass wir dabei auf Gott vertrauen und bei uns selbst anfangen dürfen, ist der Gnade und der unbeschreiblichen Güte Gottes zu verdanken! Wir werden auch mitten in der Krise ruh’n, wie in „Abrahams Schoß“, wenn wir auf Gott vertrauen. Amen.

Pfarrerin Stefanie Pensing, 10.01.2021

  

(1)    Schröer, Silvia u. Staubli, Thomas: Die Körpersymbolik der Bibel, Darmstadt 1998, S. 79

Einführung des Presbyteriums und des Küsters am 30.08.2020

Foto: Manfred Potthast

Der Gottesdienst stand unter dem Bibelwort:

„Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ 1. Kor. 3,11

Der Gottesdienst wurde mit Einführung des neuen Küsters, des Presbyteriums und Abschied von einem verdienten Presbyteriumsmitglied (Ingo Sommerfeld, auf dem Foto mit großem Blumenstrauß) gefeiert.

Der Text der Predigt ist weiter unten nachzulesen.

Nach dem Gottesdienst stellten sich das Presbyterium und die Pfarrerinnen zu einem Gruppenbid vor der Kirche auf.

Foto: Manfred Potthast

 

 

Hier wird der neue Küster Hermann Ahrens vorgestellt.

Er wird von 2 Mitgliedern des Presbyteriums eingerahmt.

 

Für Menschen mit Hörhilfen wird eine kurze Übersicht des Gottesdienstes mit Untertiteln bereitgestellt.

Btte hier klicken.

Predigt zum Einführungsgottesdienst am 30.08.2020

Text:1.Kor.3,9-17

Unserem Bauboom in der Börde tragen wir seit langer Zeit Rechnung indem wir z.B. als Gemeinde, Erbpachtgrundstücke verkaufen. Dabei haben wir stets im Hinterkopf, dass wir keine Luxus-Eigentumswohnungen oder Häuser auf kirchlichem Grund und Boden möchten. Nein, wir sind eher genossenschaftlich orientiert und möchten es gerne erschwinglich haben für diejenigen, die eben nicht über ein so hohes Eigenkapital verfügen.

Aber heute soll es nicht um Mörtel und Steine gehen, mit denen sich auch unser engagierter Förderverein der beiden Pfarrkirchen auskennt.

Vielmehr führt Paulus uns in eine neue, für die damalige Zeit revolutionäre Bautechnik ein.

Der Tempel in Jerusalem von König Salomo erbaut war bisher das Symbol des alttestamentlichen Opferkultes. Dieser Tempel hat mit dem Opfertod Jesu ausgedient und wird im Jahr 70 n.Chr. von den Römern zerstört und auch nicht wiederaufgebaut.

Seit der Zeit als Jesus über diese Erde ging gilt bis zum heutigen Tag für denjenigen, der sich zu Christus bekennt: du bist der Tempel des Hl. Geistes. Dasselbe gilt auch für die Gemeinschaft der Christen, nämlich die Gemeinde Jesu auf der gesamten Welt.

Konkret heißt das: die Ev. Kirchengemeinde Bad Sassendorf ist ein Tempel des Hl. Geistes.

Wie könnten das z.B.  Feriengäste oder Patienten aus den Reha-Kliniken spüren, wenn sie in unsere Gottesdienste kommen? Gibt es spezielle Kennzeichen dafür ein Tempel des Hl. Geistes zu sein?

Die Antwort finden wir im Predigttext. Sie lautet: ein anderes Fundament kann niemand legen als das, das schon gelegt ist-Jesus Christus.

Die Gemeinde braucht dieses Fundament heute mehr denn je, jetzt da uns allen der Sturm der Pandemie um die Ohren weht.  Heute da der heiße Wind der Klimakatastrophe auch diejenigen, die das Problem kleinreden, überzeugen kann.

Ein Flickenteppich aus der festen Überzeugung, wir schaffen das alleine mit unseren wissenschaftlichen Möglichkeiten und natürlich hilfreichen Schutzkonzepten ist zu wenig.

Wie wäre es denn mal wieder das Schutzkonzept von Jesus in Anspruch zu nehmen? Zusätzlich zum staatlich verordneten Schutzkonzept natürlich.

Wie sehr Jesus Fundament der Gemeinde und jedes einzelnen Christen sein kann wird sehr schön deutlich an der Stillung des Sturmes. Wenn hier irgendeiner alles unter Kontrolle hat dann doch er. Also bitte bauen sie auf ihn und nicht auf irgendwelche handgestrickten Ideologien oder finanzielle Absicherungen.

Unser eindrückliches Altarbild ist doch kein Erinnerungszeichen an einen längst Verstorbenen, nein es vergegenwärtigt den Gekreuzigten, der zugleich der Auferstandene ist. Er ist so lebendig, dass er sogar wiederkommen wird. Täglich hat er ein offenes Ohr und ein liebevolles Herz für Dich und mich. Bei ihm habe ich 24/7 die Möglichkeit einer Privataudienz.

Ist er das Fundament in unserem Leben und damit auch in unserer Gemeinde?

Noch ein paar Gedanken, wie denn nun auf Christus als dem Fundament der Gemeinde weitergebaut werden kann.

Zum einen dürfen wir Hand in Hand bauen.

Der eine hü und die andere hott kann im Lauf der Zeit zu Spaltungen führen.  Davon sind wir Evangelischen ja stark betroffen. So viele Splittergruppen und jede meint, sie hätte die geistliche Wahrheit gepachtet.

Hand in Hand gelingt der Gemeindeaufbau, wenn wir uns auch gemeinsam dem Wort der Bibel aussetzen u. das Gebet miteinander ausreichend Raum erhält.

Zum zweiten ist das Baumaterial nicht beliebig. Nein, es wird am Ende dieser Weltzeit einer strengen Qualitätskontrolle unterzogen. Für Jesus darf uns das Beste gerade gut genug sein. In geistlichen Dingen werden wir niemals zu Spezialisten werden. Selbst alte erfahrene Theologieprofessorinnen wissen sich am Ende ihres Lebens von Christus abhängig.

Vor vielen Jahrzehnten gab es sogar mal eine Theologieprofessorin, die sich von ihren veröffentlichten Büchern distanziert hat. Alles was sie veröffentlicht hatte, bestimmte sie später für den Reißwolf.

„Wer nun auf dieses Fundament, nämlich Christus, aufbaut kann dazu Gold, Silber, Edelsteine oder Holz, Heu und Stroh verwenden. Am Tag des Gerichts wird sich die Arbeit jedes Einzelnen im Feuer bewähren müssen. Das Feuer wird zeigen, von welcher Qualität das Bauwerk ist “ heißt es in unserem Predigttext.  Mit genau dieser Bibelstelle begründet die katholische Kirche ihre Lehre vom Fegefeuer. Luther hat sich von der Vorstellung eines Fegefeuers distanziert. In den Ostkirchen gab es die Vorstellung vom Fegefeuer überhaupt nie. Wenn sie so wollen handelt es sich um eine röm.-kath. Sonderlehre, die auch den Ablasshandel begünstigt hat.

Was allerdings absolut biblisch ist, dass alles auf den Prüfstand muss, wenn Jesus wiederkommt.

Wir werden Rechenschaft ablegen müssen über unser Tun, über unser Reden aber auch über unser Unterlassen. Zugegeben das Bild vom Feuer wirkt nicht anheimelnd und wärmend, nein es wirkt bedrohlich und lässt uns erschrecken.  Wir haben ganz aktuell die  Bilder  von außer Kontrolle geratenen Bränden in Kalifornien vor Augen die Menschen und Tiere in die Flucht treiben. Wie es sein kann einem Feuer gerade so mit Mühe und Not zu entkommen, können wir uns vorstellen, selbst wenn wir nicht zu den Aktiven bei der Freiwilligen FW gehören.

Sehr nachdenklich stimmte z.B. der große Brand der Kirche Notre Dame in Paris. Will uns Gott etwas sagen und wenn ja was?

Bevor wir es vergessen: wir tragen auch Gott gegenüber Verantwortung für unser Leben. Nicht Gott hat sich vor uns zu verantworten, sondern umgekehrt, der Mensch wird sich vor Gott verantworten müssen. Diesen Teil unseres Lebens würden wir zu gerne ausklammern, aber das funktioniert nicht. Wie also gehen wir mit dem Dilemma um? Gar nicht bauen? Damit bloß nicht Stroh, Heu oder Holz auf dem Fundament landet? Wenn ich gar nichts tue, kann ich auch nichts falsch machen, also lasse ich es besser.

Nein, besser nicht: Untätigkeit ist Arbeitsverweigerung und damit kontraproduktiv.

Stellen sie sich die Gemeinde mal als Ruderboot vor. Wenn von 8 Rudernden  2 in der Gegend herumschauen und 2 weitere kleine Löcher in das Boot hacken, wird es niemals ankommen.

Es geht nur so, dass wir uns immer wieder am Fundament, an Jesus Christus, orientieren.

Dieses Fundament ist so kostbar. Jesus selbst wird uns auch das passende Baumaterial zur Verfügung stellen. Wir besitzen es nicht. Er selbst wird es uns als kostbare Leihgabe zur Verfügung stellen.

Das ist mal eine spezielle Form der Erbpacht. Der Besitzer trägt die Kosten. Er stellt uns nichts in Rechnung.  Weil das so ist gibt es keinen Grund furchtsam oder mutlos zu sein. Wir dürfen bauen ein jeder an dem Platz und an der Aufgabe die Gott ihm zugewiesen hat. Wir dürfen bauen mit der Gewissheit, dass Gott uns im Gericht wie durch das Feuer hindurch retten wird.

Er ist der Lebensretter, der allein aus der Todesnot rettet.

Bis an das Ende dieser Weltzeit oder unseres eigenen Lebens ermöglicht uns Gott ein Tempel des Hl. Geistes zu sein. Der Geist hilft unserer Schwachheit auf. Er schenkt uns Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Wie wir als Tempel des Hl. Geistes Gott die Ehre geben können, wird uns als Ansporn in einer Inschrift im Dom zu Lübeck verraten. Diese Inschrift lautet:

Ihr nennt mich Licht- so seht mich doch

Ihr nennt mich Weg- so folgt mir doch

Ihr nennt mich Leben- so sucht mich doch

Ihr heißt mich schön -so liebt mich doch

Ihr heißt mich die Liebe – so folgt doch der Bahn, denn wenn ihr mich liebt, habt ihr alles getan.

 

Herzlichst

Ihre Pfarrerin Brigitte Kölling